Kulturelle Bildung • Politik • Kulturförderung • Neuigkeiten 2010

Eigenständigkeit der Hamburger Kulturbehörde gefährdet. Deutscher Kulturrat fordert vollen Einsatz für die Kultur, auch in Hamburg

 
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, ist äußerst besorgt über Vorschläge, die eigenständige Kulturbehörde in Hamburg abzuschaffen.
 
Hamburg steht vor vielen Problemen. Neben Ole von Beust, Erster Bürgermeister Hamburgs, ist auch die Kultursenatorin Karin von Welck zurückgetreten. Zugleich müssen gravierende Einsparungen vorgenommen werden.
 
Erste Forderungen aus Reihen der CDU wurden laut, die eigenständige Kulturbehörde abzuschaffen. Und das, nachdem in Schleswig-Holstein und jüngst in Nordrhein-Westfalen eigenständige Kulturministerien wieder neu eingerichtet wurden. Die Überlegungen zur Eingliederung der Kultur in die Senatskanzlei stellen eine vollkommene Fehlentwicklung dar und schwächen die durch die Verfassung vorgegebene Verantwortung der Länder für die Kultur.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Der Sparzwang in der Hansestadt und die Schwächung der Kulturbehörde durch den Rücktritt der Kultursenatorin Prof. Dr. Karin von Welck dürfen nicht ausgenutzt werden, um die Kulturbehörde einzusparen. Kultur ist mehr als ein Annex der Senatskanzlei. Die kulturellen Aufgaben, die zukünftig in Hamburg bewältigt werden müssen, können nicht vom Ersten Bürgermeister quasi nebenher erledigt werden. Kultur erfordert vollen Einsatz, auch in Hamburg.“

Dresdner Elbtal: Ein Jahr nach der Aberkennung des Welterbetitels immer noch keine Konsequenzen gezogen

Deutscher Kulturrat bedauert, dass die Länder noch immer keine Ausführungs- oder Begleitgesetze beschlossen haben.
Vor einem Jahr hat das UNESCO-Welterbekomitee dem Dresdner Elbtal den Titel „Weltkulturerbe“ aberkannt. Damit wurde ein Schlussstrich unter einen bereits seit Jahren andauernden Streit gezogen. Die Stadt Dresden war nicht zum Einlenken bereit und hat trotz mehrfacher Warnschüsse von Seiten der UNESCO am Bau der Waldschlösschenbrücke festgehalten.
 
Auch die Länder bzw. der Bundesrat waren nicht unschuldig an der Aberkennung des Welterbetitels vor einem Jahr. Wenn der Deutsche Bundestag internationale Abkommen ratifiziert, ist es die Aufgabe und Verpflichtung des Bundestages sowie des Bundesrats dafür zu sorgen, dass die innerstaatliche Bindungswirkung durch Ausführungs- und Begleitgesetze hergestellt wird. Für das Welterbe sind die Länder zuständig. Durch entsprechende Ausführungs- und Begleitgesetze hätte sichergestellt werden müssen, dass sich alle Länder und damit auch alle Kommunen an das „UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ halten.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Ein Jahr nach der blamablen Aberkennung des Titels Weltkulturerbe für das Dresdner Elbtal durch die UNESCO haben die Länder noch immer keine Ausführungs- oder Begleitgesetze beschlossen, um in der Zukunft eindeutig und unmissverständlich klar zu stellen, dass das von der Bundesrepublik Deutschland ratifizierte „UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ Bindungswirkung in allen Bundesländern und Kommunen hat. Aber auch die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag haben sich erstaunlich schnell mit der Tatenlosigkeit der Länder in dieser Frage abgefunden. Die Länder und der Bund stehen in der Verantwortung, dass die Aberkennung des Welterbetitels für das Dresdner Elbtal ein einmaliger peinlicher Vorgang bleibt.“

inter|kultur 9 ist erschienen:

Vielfalt als Reichtum? Über den Zusammenhang von Vielfalt, Migration und Integration

"Vielfalt  ist Reichtum", so  lautet ein bekannter Slogan im UNESCO-Kontext. Und weil dies so ist, lautet eine weitere Aufforderung: Celebrate the Diversity! Vielfalt wäre also eigentlich ein Grund der Freude. Doch wie in allen Sätzen, in denen das Wort „eigentlich“ auftaucht, ist der Sachverhalt ein anderer.
 
Inhalt

Vielfalt als Reichtum?
Von Max Fuchs  1
 
Popkultur und ihre Diversifkation
Von Udo Dahmen  2
 
Zwischenraum für Kunst & Migration
Von Olga Drossou  3
 
Gleichberechtigte Partnerschaft
Von Irene Krug  4

inter|kultur 9 als pdf-Datei

Armes Schleswig-Holstein - Haushaltssanierung bedroht Kulturlandschaft in Norden

In der neuen Ausgabe (Juli/August) von politik und kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, wurde der Kulturfinanzkrise in Schleswig-Holstein der Schwerpunkt gewidmet. Kulturverantwortliche aus Schleswig-Holstein stellen ausführlich dar, was die geplanten Einsparungen für die kulturelle Infrastruktur des Landes bedeuten.
 
Der aktuelle Kulturfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes von 2008 weist aus, dass im Jahr 2007 die öffentliche Kulturförderung im Land Schleswig-Holstein unter der des Jahres 1995 lag. Im Jahr 2005 hatte nur noch das Saarland weniger Pro-Kopf für die Kultur ausgegeben als Schleswig-Holstein (Pro-Kopf Ausgaben Saarland 50,1 Euro, Pro-Kopf-Ausgaben Schleswig-Holstein 53,6 Euro). Kürzungen treffen in Schleswig-Holstein also keineswegs auf „gut genährte“ Kulturstrukturen, die ruhig abspecken können, sondern auf eine kulturelle Infrastruktur, die im Vergleich zu anderen mit wenig Mitteln auskommen musste.
 
Noch im laufenden Haushaltsjahr werden im Kulturbereich in Schleswig-Holstein durchschnittlich 10 Prozent der Landesförderung eingespart. Einige wenige werden geschont, andere dafür sofort abgewickelt. Die Kulturakteure wurden von Einsparungen unvorbereitet getroffen und viele werden sie kaum auffangen können. In den Jahren 2011 und 2012 sollen jeweils 15 Prozent im Kulturbereich eingespart werden.
 
Der Vorsitzender des Landeskulturverbandes in Schleswig-Holstein, Rolf Teuchert, fasst die Situation in politik und kultur mit dem Satz zusammen: „Schleswig-Holstein ist dabei, sich selbst aufzugeben“.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Schleswig-Holstein steht am Scheideweg. Schon in der Vergangenheit hat das Land die kulturelle Infrastruktur sträflich vernachlässigt. Jetzt will die Landesregierung die letzten kulturellen Pflänzchen auch noch kaputt sparen. Ohne eine zukunftsweisende Kulturentwicklungsplanung vorzulegen, wird kurzerhand Tabula Rasa gemacht. Ein Land, das so mit der Kultur umgeht, wird seiner verfassungsgemäßen Verantwortung nicht gerecht. Armes Schleswig-Holstein!“

Goethe-Institute als Freiräume unzensierten Dialogs


Mit 700.000 Seiten in über 40 Sprachen ist das Internet aus der Arbeit des Goethe-Instituts längst nicht mehr wegzudenken. Aber auch in Zeiten von Google-Globalisierung, Facebook und Twitter hat die konkrete physische Präsenz rund um den Globus nichts von ihrer Bedeutung für die Arbeit des größten deutschen Kulturmittlers verloren. „Gerade mit Blick auf die bedenklichen Rückschritte bei der freien Meinungsäußerung weltweit kommt den Goethe-Instituten als etablierten und garantierten Freiräumen eine große Bedeutung zu, sie sind Orte einer geistigen Gemeinschaft“, bilanzierte Präsident Klaus-Dieter Lehmann bei einem Pressegespräch in Berlin.

 
Bei seiner Tour d’Horizon durch die Arbeit der Goethe-Institute in Ländern mit eingeschränkter Meinungs- und Pressefreiheit unterstrich Präsident Lehmann die Möglichkeiten des deutschen Kulturinstituts, zivilgesellschaftlichen Initiativen Raum und Chancen zum freien Meinungsaustausch zu geben. „Nicht die Provokation, sondern die Information und gute Beispiele schaffen Neugier und Nachdenklichkeit, nicht Kulturexport sondern das Sicheinlassen auf die jeweiligen Verhältnisse setzen Prozesse in Bewegung und zeigen Alternativen.“ Bis auf wenige Ausnahmen – Iran und Nordkorea – sei der Spagat zwischen Rücksichtnahme auf örtliche Vorstellungen und Bedingungen sowie westliche Demokratievorstellungen geglückt.

 
„Mit der Kultur kann man Dinge bewegen, die die Politik nicht leisten kann“, fasste Lehmann seinen Bericht zur Arbeit der Institute in so unterschiedlichen Ländern wie China, Ägypten, Vietnam, Algerien, Nigeria, Äthiopien oder Kuba zusammen. Eine besondere Rolle käme dabei der Spracharbeit zu: „Die Sprachkurse in den Goethe-Instituten sind mehr als die Vermittlung eines nützlichen Werkzeugs. Sie vermitteln einen kulturellen Zugang, sie unterstützen die Emanzipation und sie entfalten eine positive Gruppendynamik für eine gemeinsame Zukunft“, so Lehmann. In den seit 2007 sukzessive eingerichteten Migrationskursen würden angehende Migranten nicht nur sprachlich auf ihre neue Heimat vorbereitet, sondern zugleich über das gesellschaftliche Umfeld informiert. Mit „Fit für Deutschland“ und „Fit for Campus“ lernten Zuzugswillige, darunter oft auch junge Wissenschaftler, nicht nur die Sprache Goethes, sondern zugleich auch den Weg durch den Dschungel deutscher Behörden und Universitäten.

 
Auch in Deutschland stelle das Goethe-Institut seine Kenntnisse in den Dienst der Großaufgabe Zuwanderung, die den Menschen ins Zentrum rückt. Bei der Erarbeitung von Standards und Prüfungen für die Migranten in Deutschland kann auf eine knapp 60jährige Kompetenz zurückgegriffen werden. „Goethe-Experten kennen nicht nur den Konjunktiv, sondern auch Herkunft und Kultur der Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat oder auch nur eine Etappe für ihre Karriere suchen, Goethe-Experten sind auch informiert über erfolgreiche Integrationsmodelle in anderen Ländern“, unterstrich Klaus-Dieter Lehmann die besondere Rolle der Goethe-Institute, bevor er zum Integrationsforum in Nürnberg aufbrach.

 

Akademie der Künste und Goethe-Institut veröffentlichen zweiten Band der Reihe „Positionen“ zur Kunstszene in Südafrika

Der zweite Band der von der Akademie der Künste und dem Goethe-Institut veröffentlichten Reihe „Positionen“ ist der zeitgenössischen Kunstszene Südafrikas gewidmet. Der Band stellt in 18 Porträts Künstler, Architekten, Verleger und Initiativen vor, die für das neue Südafrika stehen. Mit ihren spezifischen Herangehensweisen und unterschiedlichen Ausdrucksformen geben sie Einblick in die drängenden Fragen der südafrikanischen Gesellschaft und zeigen, wie sich politische Kunst in der Post-Apartheid-Ära positioniert. Herausgeber des Südafrika-Bandes sind Peter Anders, der Goethe-Institut-Programmleiter der Region Afrika südlich der Sahara, und Matthew Krouse, der Leiter des Kulturressorts der Johannesburger Wochenzeitung „Mail & Guardian“.


20 Jahre nach der Freilassung Nelson Mandelas steht auch der Gründungsmythos der „Rainbow Nation“ auf dem Prüfstand. Die vorgestellten Protagonisten stellen sich den aktuellen Fragen: Kann und darf man als Weißer traditionelle afrikanische Rituale als Theater aufführen? Was heißt es, Künstler, Muslim und Inder zu sein – und Südafrikaner? Kann ein nackter schwarzer Tänzer je mehr sein als ein Klischee? Das Wissen um die prekäre Situation, in der sich Südafrika befindet, und der Wunsch, die Zustände zu verbessern, vereint die Arbeiten aller in dem Band versammelten Künstler und Aktivisten. „What Rainbow?“ fragt der Tänzer und Performance-Künstler Boyzie Cekwana. „I write to fight“, rapt der Dichter Lesego Rampolokeng.


Vorgestellt werden: Zapiro, Cartoonist | Sue Williamson, Konzeptkünstlerin | Robyn Orlin, Choreografin | Brett Bailey, Theaterregisseur | Mpumelelo Paul Grootboom, Theaterautor und -regisseur | Guy Tillim, Fotograf | Chimurenga, Literaturmagazin | GALA (Gay and Lesbian Memory in Action), Archiv der schwullesbischen Aktivistenbewegung | Ismail Farouk, Stadtgeograf | Michael McGarry, Grafiker, Konzeptkünstler und Avantgarde-Musiker | Boyzie Cekwana, Tänzer und Performance-Künstler | Peter Van Heerden, Performance-Künstler | Hasan & Husain Essop, Fotokünstler | Kudzanai Chiurai, Maler | Nandipha Mntambo, Künstlerin | Lesego Rampolokeng, Spoken-Word-Dichter | Hector-Pieterson-Memorial

 
Positionenbeleuchtet die Entwicklungen in den kulturellen Brennpunkten der Gegenwart. Im Zentrum der Reihe, die im Steidl Verlag erscheint, stehen die individuellen Perspektiven von Künstlern. Die Bände entstehen im direkten Dialog mit Journalisten und Kulturwissenschaftlern der jeweiligen Kunstszenen. Herausgeber der Reihe sind der Generalsekretär des Goethe-Instituts Hans-Georg Knopp und Johannes Odenthal, Programmbeauftragter der Akademie. Bereits erschienen ist „Positionen 1: Zeitgenössische Künstler aus der Türkei“. Band 3 zu China ist in Vorbereitung.


Zeitgenössische Künstler aus Südafrika: Positionen 2
Herausgegeben von Peter Anders und Matthew Krouse
Steidl Verlag, Göttingen 2010, 336 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Broschur
€ 20, ISBN 978-3-86930-085-6

Pressekonferenz zum Tag der Musik 2010
am Donnerstag, 17. Juni 2010, 09.00 Uhr

 
1.500 Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet und Start der Kampagne „Ohne Musik keine Bildung“
 
Der diesjährige Tag der Musik ist Auftakt der Kampagne „Ohne Musik keine Bildung“ – eine Kooperation zwischen dem Landesmusikrat Berlin, dem Konzerthaus Berlin und den Berliner Philharmonikern. Mit einer großen Unterschriftenaktion rufen die drei Partner zum Erhalt und zur Förderung der Musikalischen Bildung auf.
 
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, unterstützt den Tag der Musik 2010.
 
Am 19. Juni 2010 wird im Rahmen der Zentralveranstaltung zum Tag der Musik die Flashband, der erste musikalische Flashmob in Berlin, in einer spontanen Besetzung auf der Freitreppe des Konzerthauses Berlin um 13.00 Uhr gemeinsam musizieren. Baglama neben Geige, E-Gitarre neben Pan-Flöte: Das ist kulturelle Vielfalt live. Jeder, ob jung oder alt, Profi oder Laie kann sich an dieser Aktion beteiligen – wer kein Instrument hat, bringt seine Stimme mit.
 
Im Anschluss erwartet die Besucher ein umfangreiches Programm im Konzerthaus Berlin, das von Jazzkonzerten über eine Klanginstallation bis hin zu einer musikpolitischen Podiumsdiskussion reicht.
 
Mit rund 1.500 Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet zeigt der Tag der Musik, wie vielfältig das Musikland Deutschland ist.
 
Weitere Informationen und Hintergründe einschließlich des Kampagnenstarts mit Online-Voting bei folgender Pressekonferenz.
 
PRESSEKONFERENZ
 
Termin:
Donnerstag, 17. Juni 2010, 09.00 Uhr
Ort:
Generalsekretariat des Deutschen Musikrates
Schumannstr. 17, 10117 Berlin

Kommunale Finanzen nachhaltig auf ein sicheres Fundament stellen

Gemeinsamer Appell der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Deutscher Kulturrat und des Deutschen Olympischen Sportbundes

 
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Olympische Sportbund haben heute Vormittag in Berlin einen Gemeinsamen Appell an die Mitglieder der Gemeindefinanzkommission der Öffentlichkeit vorgestellt.
 
Kulturelles, sportliches und soziales Leben findet vor allem in den Städten und Gemeinden statt. Hier ist der unmittelbare Ort der Daseinsvorsorge, hier leben die Menschen, hier ist ihre Heimat und hier nutzen sie die sozialen Einrichtungen, die Kultur- und die Sporteinrichtungen. Daseinsvorsorge heißt für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtpflege, für den Deutschen Kulturrat und für den Deutschen Olympischen Sportbund mehr als eine Minimalversorgung. Es geht um die Möglichkeit der Teilhabe an der Gesellschaft und um Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger. Diese Teilhabe ist eine wesentliche Voraussetzung für gelebte Demokratie in der Gesellschaft und zur Identitätsbildung.
 
Der Gemeinsame Appell der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, des Deutscher Kulturrat und des Deutschen Olympischen Sportbundes ist eine Premiere! Das erste Mal melden sich Kultur, Soziales und Sport zur Schuldenkrise der Kommunen vereint zu Wort. Sie appellieren an die Mitglieder der Kommission zur Neuordnung der Gemeindefinanzen, die kommunalen Finanzen nachhaltig auf ein sicheres Fundament zu stellen, damit das soziale, kulturelle und sportliche Leben in unseren Städten und Gemeinden nicht durch kurzfristige Sparmaßnahmen beeinträchtigt wird.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Es ist wichtig, dass sich die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche jetzt in der Krise nicht auseinander dividieren lassen. Kultur, Sport und Soziales in den Kommunen tragen wesentlich zur Lebensqualität der Menschen bei. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass die Städte und Gemeinden endlich angemessen finanziell ausgestattet werden. Die Mitglieder der Gemeindefinanzkommission tragen eine große Verantwortung dafür, dass die kommunalen Finanzen nachhaltig auf eine sichere Grundlage gestellt werden.

Bilanz der zweiten UNESCO-Weltkonferenz für kulturelle Bildung in Seoul

Kulturelle Bildung hat Fahrt aufgenommen

 
von Max Fuchs*
 
„Rückenwind für kulturelle Bildung“ war die Überschrift meines Berichtes über die erste Weltkonferenz zur künstlerischen Bildung im Jahre 2006 in Lissabon. Bei der zweiten Weltkonferenz, die vom 25. bis zum 28. 5. 2010 in Seoul/Korea stattgefunden hat, konnte man feststellen, dass dieser Rückenwind kein einmaliger Windstoß war, sondern sich zu einer dauerhaften Brise entwickelt hat: Kulturelle Bildung steht nicht nur im Zentrum der UNESCO. In vielen Ländern zeichnen sich so deutliche positive Entwicklungen ab, dass die Entscheidung der Organisatoren richtig war, keine neue Fortschreibung der in Lissabon diskutierten und zwischenzeitlich immer wieder veränderten Roadmap vorzunehmen, sondern komprimiert zehn Entwicklungsziele für die nächsten Jahre zu formulieren. Diese sollen spätestens 2014 evaluiert werden. Diese Seoul-Agenda wurde am letzten Tag des Weltkongresses beschlossen.
 
Welche Entwicklungstrends kann man weltweit feststellen? Wie hat die Roadmap als Motor der Entwicklungen funktioniert? Welche Probleme tun sich heute und in Zukunft auf?
 
Zunächst einige Informationen über die Rahmenbedingungen. Etwa 2000 Experten aus über 100 Ländern, darunter aus 20 Ländern Vertreter im Ministerrang, diskutierten in dem gewaltigen Coex-Komplex mitten in Seoul. Dieser Konferenzkomplex ist so groß, dass das auch schon enorme Konferenzzentrum von Lissabon vermutlich zweimal hineinpassen würde. Die Tage waren thematisch den Schwerpunktthemen der Roadmap zugeordnet: practice, advocacy, capacity-building and research. Thematisch ist das Leitprogramm der UNESCO bindend: Kultur des Friedens, Nachhaltigkeit, Dialog der Kulturen, Inklusion. Zentrale Aufgabe war die Evaluation der Lissabon Roadmap und die Entwicklung von konkreten Handlungszielen.
 
Zunächst zur Rolle der Roadmap. Es hat einige Untersuchungen darüber gegeben, ob und wie die Roadmap auf nationaler Ebene gewirkt hat. In einer unserer beiden europäischen Konferenzen in Wildbad Kreuth im Mai 2008 konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Roadmap als Referenzdokument umso wichtiger war, je kleiner das betreffende Land war. So waren Malta und Island Beispiele dafür, dass die Roadmap nationale Entwicklungen angeschoben hat. In Deutschland dagegen hat man zwar vereinzelt die Roadmap zitiert, doch dürften die meisten Entwicklungen – gerade in der Kulturpolitik – ohne deren Einfluss stattgefunden haben. Vielleicht muss man auch gar nicht nach Ursache-Wirkung-Prinzipien suchen. Sondern es sind die Roadmap, das Interesse der UNESCO und die nationalen Entwicklungen alle Teil desselben Trends, dass nämlich ganzheitliche Bildung, die Ermöglichung von Phantasie, die Stärkung der Menschen weltweit als notwendig betrachtet werden und über kreative und künstlerische Arbeitsweisen sehr gut gelingen. Was war also neu und anders in Seoul?
 
Natürlich kann diese Frage nicht umfassend beantwortet werden, denn es gab im Plenum eine Eröffnungsansprache des amerikanischen Ehepaares Bernstein über den Zusammenhang von wissenschaftlicher und künstlerischer Begabung, es gab vier keynotes und einige Podiumsrunden. Daneben gab es 25 meist parallel laufende Workshops, von denen man schlechterdings nur einen Teil mitbekommen konnte. Aus sicherlich subjektiver Sicht daher einige Auffälligkeiten.
 
In Lissabon wurde die Engführung des Begriffs der arts education auf die traditionellen Kunstformen Musik, Theater und Bildende Kunst – und dies auch noch mit einem starken schulischen Akzent – kritisiert. Diese berechtigte Kritik an der Roadmap hat in der Umsetzung in der Praxis keine Rolle gespielt. Jedes Land hat vielmehr sein eigenes Verständnis von „Kunst“ zugrunde gelegt, so dass gerade in den Workshops sehr viel auch Weben, Schmieden, Textilbearbeitung und Töpfern die Rede war. Wenn „Künste“ ins Spiel kamen, waren es vor allem angewandte Künste. Dies entsprach auch dem programmatischen Motto des Kongresses: arts for society, education for creativity. Die Künste sind für gesellschaftliche Fragen zuständig, und diese reichen von der Gesundheitsförderung über Integration und Inklusion, der Nachhaltigkeit bis zur Kulturwirtschaft. Die Erziehung und Bildung wiederum kümmert sich um den Einzelnen, wobei Kreativität das von niemandem öffentlich in Frage gestellte ultimative Bildungsziel ist. Bis auf wenige Ausnahmen, etwa in dem sehr klaren Beitrag des inzwischen zweiten UNESCO-Lehrstuhlinhabers für kulturelle Bildung, Eckart Liebau aus Erlangen, wurde der Eigenwert der Künste kaum thematisiert. Alle diesbezüglichen Thesen unseres europäischen Papiers, das bei einer Konferenz im Jahre 2009 in Berlin in einem mühsamen Prozess ausgehandelt wurde, wurden kaum zur Kenntnis genommen: Der intrinsische Wert der Künste oder die Rolle ihrer Rezeption und Produktion ist offenbar ein sehr europäisches Thema. All dies – so muss man feststellen – passt aber auch nur auf den europäischen Kunstkanon, ist dort natürlich berechtigt, erfasst jedoch im gesamten Feld der kulturellen Bildung nur einen kleinen Teilbereich. Daher muss man feststellen: Die UNESCO handelt zwar über „arts education“, von den Inhalten und Zielen her geht es jedoch eindeutig um „cultural education“.
 
Bedauern muss man dies nicht. Denn natürlich bleibt für die Künste i.e.S. und den pädagogischen Umgang damit genug zu tun. Auch dies machte Eckart Liebau deutlich: Bei allem Respekt vor dem Erfahrungsgewinn reflektierter Praktiker und den Möglichkeiten, mit künstlerischen Methoden die Wirklichkeit zu erschließen, muss die Relevanz einer wissenschaftlichen Forschung, die die hier relevanten Standards der Sorgfalt, der Überprüfbarkeit und der übersubjektiven Gültigkeit, betont werden. Und ein solcher Zugang ist für jedes der Arbeitsfelder im großen Bereich der kulturellen Bildung nötig. Klar wurde aber auch, dass eine solche strenge Position im internationalen Konzert einen schweren Stand hat. Denn gerne hat man in Seoul jede mögliche Form individueller Erfahrung auch schon „Forschung“ genannt.
 
Ein zweiter Aspekt betrifft den Fokus auf Schule, der in Lissabon noch sehr deutlich war. Dies traf in Seoul nicht mehr zu. Die Thematisierung der Rolle der Künste im Curriculum und der notwendigen Professionalität der LehrerInnen ist eindeutig zu kurz gekommen. So hat sich zwar durch den Zusammenschluss der Weltverbände von Lehrenden im Bereich Tanz, Theater, Bildende Kunst und Musik zu einer World Alliance for Arts Education ein neuer „global player“ – auch als Ansprechpartner für die UNESCO – gebildet, zwar hat deren Präsident Dan Baron Cohen, selber ein guter und ideenreicher Theaterpraktiker aus Wales, der vor allem in Brasilien arbeitet, von einer notwendigen Konzentration auf Lehrer gesprochen, eben weil diese alle Kinder und Jugendlichen erreichen: In der Praxis betreibt er selbst jedoch eher „Community based“-Projekte und hat mit Schule nichts zu tun. Hier muss man also Rhetorik von Praxis unterscheiden. Und in der Praxis kam der Austausch über Schule deutlich zu kurz. Zu kurz kam auch die Umsetzung des Anspruches, alle Lebensphasen thematisieren zu wollen. Eindeutig lag der Fokus auf Kindern und Jugendlichen.
 
Ein weiterer Aspekt betrifft den Erhalt kultureller Traditionen. Auch dies war in Lissabon nicht so präsent. In Korea fand dies sehr viel Anklang, vom Gastgeberland deutlich nach vorne geschoben und gerade von Vertretern aus Afrika, Asien und Südamerika im Hinblick auf kulturelle Identität stark betont. Die indigenen Kulturen sind wichtig. Hierzu gibt es nur schwer Vergleichsmöglichkeiten zur westlichen Situation. Denn es geht dabei nicht etwa um den Erhalt der „deutschen Leitkultur“ rund um Goethe und Beethoven. Korea mit seiner hoch entwickelten Informationstechnologie (Samsung) strebt dabei eine deutliche Synthese der Tradition mit den digitalen Medien an (quasi der bayrische Weg von Laptop und Lederhose). Das ist interessant. Doch zeigen die an prominenter Stelle gezeigten Beispiele, wie schwer dies ist. So zeigte man bei der Eröffnungsperformance wunderschöne Beispiele traditioneller koreanischer Musik- und Tanzkultur verbunden mit den neuesten digitalen Möglichkeiten. Bei Letzteren dominierte jedoch die Lust an den technischen Möglichkeiten des Mediums, so dass die spezifische Ästhetik des Digitalen zugunsten von Kitsch und Plakativität auf der Strecke blieb. Auch dies ist in Deutschland die Herausforderung, eine angemessene Ästhetik des Digitalen als Qualitätsmaßstab in einer kulturellen Medienbildung zu realisieren.
 
Inhaltliche Leitorientierung war – wie erwähnt – die Bindung an soziale Ziele wie Zusammenhalt, Kreativität (als gesellschaftlicher Produktivkraft für die ökonomische Entwicklung) bis hin zu heilenden und therapeutischen Aspekten. Dies klingt ein wenig danach, als ob kulturelle Bildung nunmehr überstrapaziert werden soll für die Realisierung aller utopischen Ziele oder für die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme. Immerhin war die Kriegsgefahr in Korea keine abstrakte Angelegenheit, sondern vielmehr täglich in den Medien präsent. Hilary Clinton besuchte in dieser Zeit Korea. Zudem laufen z. Zt. die Vorbereitungen für den nächsten G-20-Gipfel in Seoul auf Hochtouren. Kulturelle Bildung in Krisenregionen, in Situationen von Gewalt und fehlender staatlicher und gesellschaftlicher Ordnung war immer wieder Thema von Präsentationen. Ich selber bin auch skeptisch gegenüber zu vollmundigen Wirkungsbehauptungen. Doch fand ich die Situationsbeschreibungen aus Kriegszonen und Gefahrengebieten und die dort auf einfachstem Niveau realisierten Kulturprojekte beeindruckend: Es geht nicht mehr um einen zusätzlichen Kick in einer ohnehin schon satten Gesellschaft, sondern es zeigte sich eindrucksvoll, wie sehr Kulturarbeit dazu taugt, Menschlichkeit auch unter schwierigen Bedingungen aufrecht zu erhalten oder wieder zu entdecken.
 
Vor dem Hintergrund solcher Erfahrungen erscheinen manche unserer Debatten in Deutschland eher eigenartig: Ob Künste und Künstler „autonom“ sind und ob diese Autonomie gefährdet ist wenn Kunst in sozialen oder pädagogischen Kontexten stattfindet, ob Lehrer, Kulturpädagogen oder Künstler die besseren Vermittler sind, ob Kreativität unser Bruttosozialprodukt steigert etc. Was man erleben kann, ist vielmehr: Das Subjekt, und zwar der Einzelne, der Lust auf Leben hat, der in die Lage versetzt wird, sein Leben für sich und andere sinnvoll zu gestalten, steht – so auch ein UNESCO-Slogan – im Mittelpunkt. Dazu braucht man Schutz und Anerkennung der Person und ihrer Ansprüche an das Leben. Dies wurde immer wieder in Beiträgen aus Kuba, aus Südamerika, aus Afrika, aus Indien betont. Armut hat zwar bei uns ein anderes Gesicht als in diesen Regionen. Doch gibt es auch hier einen notwendigen Kampf um menschenwürdige Existenz, und zu dieser gehört kulturelle Bildung eindeutig dazu.
 
Welche vorläufigen Schlussfolgerungen lassen sich m. E. ziehen?
 
Die erste und vielleicht überraschendste Erkenntnis ist diese: Bildung insgesamt und kulturelle Bildung als integraler Bestandteil hat auf der Agenda der Weltgemeinschaft einen stabilen Platz. Kulturelle Bildung hat sogar – und dies überrascht angesichts unseres üblichen Klagens – einen privilegierten Platz. Kein anderer Bildungsbereich, auch nicht die PISA-Fächer, die in Lissabon noch deutlich bedrohlich wahrgenommen wurden, spielt eine solche Rolle in der UNO oder der UNESCO. Bestenfalls ist es die Alphabetisierungskampagne „Education for All“, aber damit ist man ja bereits im Kernbereich kulturelle Bildung. Und wer diese Einschätzung bezweifelt, möge sich überlegen, wo in dieser Form Mathematik oder die Naturwissenschaften auf UNESCO-Ebene thematisiert worden sind.
 
Eine zweite Schlussfolgerung: Wir brauchen mehr Präzision in unseren Begrifflichkeiten. Von „Kunst“ über „Kultur“, „Bildung“ bis hin zur „Forschung“ herrscht eine ungeordnete Pluralität von Konzepten und Verständnisweisen. Diese mag zwar ein Reichtum sein („celebrate the diversity“, so die UNESCO), sie produziert aber auch erhebliche Verwirrung. So sollten wenigstens wir für uns deutlich machen, welche Relevanz und welchen Anwendungsbereich unserer Begründungen oder Wirkungsbehauptungen haben. Was gilt für das Theater, die Musik, den Tanz? Welche Rolle spielen die institutionellen Zusammenhänge? Was ist die spezifische Wirkung eines Schulfaches Theater im Vergleich zur Theaterpädagogik in außerschulischen Kontexten? Es ist zu hoffen, dass die Arbeit an einem internationalen Glossar hier Hilfestellung leistet. Pluralität ist übrigens auch auf UNESCO-Ebene nicht gegeben. So haben beide UNESCO-Lehrstühle einen Theaterschwerpunkt ebenso wie der neue Präsident der World Alliance of Arts Education ein Theatermensch ist. Das ist eine nicht gute Einseitigkeit. Vielleicht wird hier Abhilfe geschaffen, wenn es – wie vorgesehen – neue UNESCO-Lehrstühle in Afrika, Südamerika oder Asien geben sollte, die dann hoffentlich andere fachliche Schwerpunkte haben.
 
Eine nächste Weltkonferenz soll es geben. Afrikanische Kollegen hatten Interesse bekundet, weil dort offenbar eine Menge an Überzeugungsarbeit bei Regierungen zu leisten ist. Das letzte Gerücht war, dass Kolumbien den Hut in den Ring geworfen hat.
 
Anerkennung gibt es also für unser Feld. Dies trifft allerdings kaum für die staatliche Seite in Deutschland zu, so wie sie in Seoul in Erscheinung getreten ist. In Lissabon gab es noch eine offizielle Delegation, in Seoul waren es Einzelkämpfer, die sich alles selbst organisieren mussten. In Lissabon gab es eine abgestimmte Position zwischen Bund und Ländern, die gemeinsam im Plenum vorgetragen wurde. In Seoul soll – so ein Gerücht – ein Ländervertreter anwesend gewesen sein. Er hat sich erfolgreich unsichtbar gemacht und nie das Gespräch mit den deutschen Vertretern gesucht. Der Bund hat auf eine Präsenz gleich komplett verzichtet. Was steckte dahinter: Unkenntnis, Arroganz, Unterschätzung der Relevanz? Ich weiß es nicht. Dabei ist unsere Entwicklung durchaus vorzeigbar. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat eine hervorragend gestaltete und informationsreiche englischsprachige Sonderausgabe von UNESCO Heute vorgelegt, mit der man in Seoul sehr gut Kontakte knüpfen konnte.
 
Hier geht die Arbeit nun weiter. Der Rückenwind hält international an. Es kommt jetzt darauf an, dem Gegenwind, der aus der Finanzkrise resultiert, erfolgreich zu begegnen.
 
* Fuchs, Max, Prof. Dr., Direktor der Akademie Remscheid; Präsident des Deutschen Kulturrates, Ehrenvorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung.

[Quelle: http://www.kulturrat.de/text.php?rubrik=119]

Kulturfinanzierung: Massive Einsparungen in Schleswig-Holstein

Deutscher Kulturrat fordert die Bundesregierung auf, jetzt einen Nothilfefond Kultur einzurichten

Das Land Schleswig-Holstein hat gestern das Konzept der Haushaltsstrukturkommission „Schleswig-Holstein ist auf dem Weg. Handlungsfähigkeit erhalten Zukunftschancen ermöglichen“ veröffentlicht. Mit diesem Konzept sollen die Schulden des Landes in den nächsten Jahren abgebaut werden. Das Kabinett hat diesem Konzept der Haushaltsstrukturkommission bereits zugestimmt.
 
Der Kulturbereich soll im Jahr 2011 und 2012 jeweils 1 Mio. Euro einsparen. Nach Informationen des Deutschen Kulturrates sind die Versuche des Kulturministers des Landes, Ekkehard Klug, Ausnahmeregelungen für die Kultur zu erwirken, gescheitert.
 
Bereits im laufenden Haushaltsjahr erfolgen im Kulturbereich Einsparungen in Höhe von 10%. Hierauf konnten sich die Kultureinrichtungen und -verbände nicht vorbereiten. Im Jahr 2011 und im Jahr 2012 betragen die Einsparungen jeweils 15%, wobei von dem Haushaltsansatz vor der 10% Kürzung in diesem Jahr ausgegangen wird.
 
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, bedauert, dass es nicht gelungen ist, den Kulturbereich, der bereits seit vielen Jahren unter Einsparungen leidet, von den Kürzungen auszunehmen.
 
Der Deutsche Kulturrat erkennt an, dass bei einigen Institutionen, die in die Breite gehen und besonders im Bereich der Kulturvermittlung arbeiten, wie den Musikschulen und den freien Theatern, keine Kürzungen vorgenommen werden sollen. Weiter wurden in den Bereichen, bei denen es gesetzliche oder vertragliche Verpflichtungen gibt, weniger Einsparungen vorgenommen.
 
Mit großer Sorge sieht der Deutsche Kulturrat, dass gerade bei den Kulturverbänden und -vereinen wie dem Landesmusikrat Schleswig-Holstein, der Kulturarbeit der friesischen Volksgruppe, dem Bundesverband bildender Künstler Schleswig-Holstein, dem Niederdeutschen Bühnenbund und anderen deutlich gekürzt werden soll. Hier wird gerade bei jenen Institutionen gekürzt, die auf bürgerschaftlichem Engagement beruhen und mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit einen deutlichen Mehrwert in Schleswig-Holstein und darüber hinaus schaffen.
 
Von den Kürzungen betroffen sind auch die kulturellen Bildungsstätten in Schleswig-Holstein wie das Nordkolleg, das Schleswig-Holstein Musikfestival, der Landesverband der Musikschulen, der Schleswig-Holsteinische Heimatbund, der Landesverband der Volkshochschulen und andere.
 
Vollständig gestrichen werden sollen die Förderung des Landeskulturzentrum in Salzau, des Festivals JazzBaltica, die Förderung des Schleswig-Holstein-Tags, der Norddeutsche Filmpreis. Der Kunstpreis Schleswig-Holstein wird ausgesetzt.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „In Schleswig-Holstein wird Tabula rasa gemacht. Mit dem Nothilfefonds des Bundes hat der Deutsche Kulturrat einen konkreten Vorschlag gemacht, wie Einsparungen, wie jetzt in Schleswig-Holstein, abgefedert werden können und verhindert werden kann, dass Kulturstrukturen dauerhaft zerstört werden. Beim Festival JazzBaltica, das jetzt kaputt gespart wird, geht es um eine Summe von 160.000 Euro im Jahr und beim Schleswig-Holstein-Tag um 150.000 Euro alle zwei Jahre. Das sind überschaubare Summen, bei denen ein Nothilfefonds des Bundes einspringen könnte, zumal auch die Haushaltsstrukturkommission in Schleswig-Holstein davon ausgeht, dass ab dem Jahr 2014 wieder normale Haushalte verabschiedet werden können. Hier zeigt sich, wie wichtig es wäre, mit dem Nothilfefonds des Bundes eine pragmatische Lösung zur Unterstützung der Kultur zu erhalten. Darüber hinaus muss jetzt endlich über die gesetzliche Verankerung der Kulturförderung auf allen staatlichen Ebenen nachgedacht werden, denn auch in Schleswig-Holstein werden die sogenannten freiwilligen Aufgaben zuerst zur Disposition gestellt.“

„Heimat im Heute“: deutsch-israelische Literaturtage in Berlin

Das Goethe-Institut und die Heinrich-Böll-Stiftung laden 2010 bereits zum dritten Mal zu den deutsch-israelischen Literaturtagen ein. Aus beiden Ländern kommen vom 27. bis 30. Mai Autorinnen und Autoren der jüngeren Generation in Berlin zusammen und sprechen unter dem Motto „Heimat im Heute“ über Freiheit, Verwurzelung und ihre ganz persönliche Vorstellung von Heimat.

Gerade in Zeiten, in denen sich viele Menschen offenbar von ihren Wurzeln gelöst haben, stellt Heimat ein sperriges, unbequemes Wort dar. Als moderne Nomaden sind sie kaum noch an einen einzigen Ort gebunden, sondern können – mobil, flexibel und im Internet vernetzt – überall zu Hause sein. Ihnen steht ein Heer von wahrhaft Heimatlosen gegenüber: ethnische Minderheiten, sans papiers und Flüchtlinge, denen die gesellschaftliche Anerkennung versagt bleibt. Instabile Situationen kennzeichnen die Ära der Globalisierung – die Sehnsucht nach Vertrautem, Kontinuität und Sicherheit wächst.

Doch wie konkret kann Heimat sein? Historisch bedingt haben sowohl Deutsche als auch Israelis ein völlig eigenes Verhältnis zu diesem Begriff entwickelt. Die Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis und der Zivilisationsbruch durch die Shoah haben das geistige Konzept der Heimat enorm verkompliziert, wenn nicht gar untragbar gemacht. Einen Wendepunkt markiert hier wie dort das Jahr 1967: Während die deutsche Studentenrevolte einen kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte forcierte, formte sich mit dem gewonnenen Sechs-Tage-Krieg ein neues nationales Selbstbewusstsein in Israel. Heimat war in der Folgezeit ein Begriff, der vornehmlich durch die politische Rechte besetzt wurde.

Welche Assoziationen weckt der Begriff heute? Inwiefern ist er durch die Geschichte der jüdischen Diaspora und die Erfahrung von modernen Einwanderungsgesellschaften verändert worden? Und wer wird gehört, wenn von Heimat und kultureller Zugehörigkeit gesprochen wird? Darüber diskutieren Shimon Adaf, Nir Baram, Anat Einhar, Jenny Erpenbeck, Avirama Golan, Detlef Kuhlbrodt, Sibylle Lewitscharoff, Terézia Mora, Fania Oz-Salzberger, Elisabeth Rank, Zafer Şenocak und Ayman Sikseck. Die deutsch-israelischen Literaturtage, organisiert von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Goethe-Institut, finden seit 2005 jährlich im Wechsel zwischen Tel Aviv und Berlin statt.

Programm: (Alle Veranstaltungen auf Deutsch und Hebräisch mit Simultanübersetzung)

Donnerstag, 27. Mai 2010, 19 bis 21 Uhr, Villa Elisabeth, Invalidenstraße 3, 10115 Berlin

Heimatkunde und Erkundungen (Auftaktgespräch)

Mit: Fania Oz-Salzberger, Avirama Golan, Sibylle Lewitscharoff, Terézia Mora

Freitag, 28. Mai 2010, 19.30 bis 21.30 Uhr, Villa Elisabeth, Invalidenstraße 3, 10115 Berlin

Heimat und Sprache (Lesung und Diskussion)

Mit: Shimon Adaf, Zafer Şenocak

Samstag, 29. Mai 2010, 16 bis 18 Uhr, Sophiensaele, Sophienstraße 18, 10178 Berlin

Digital Home – Überall und nirgendwo zuhause (Lesung und Diskussion)

Mit: Anat Einhar, Elisabeth Rank

Samstag, 29. Mai 2010, 19 bis 21 Uhr, Sophiensaele, Sophienstraße 18, 10178 Berlin

Fremd im eigenen Land (Lesung und Diskussion)

Mit: Jenny Erpenbeck, Ayman Sikseck

Sonntag, 30. Mai 2010, 11 bis 13 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Berlin – Tel Aviv: Kleine Fluchten in der Großstadt (Abschlussmatinée)

Mit: Detlef Kuhlbrodt, Nir Baram

 

Morgen Abend wird zum 6. Mal der puk-Journalistenpreis in Berlin verliehen

 
Morgen Abend wird zum 6. Mal der puk-Journalistenpreis in Berlin verliehen. Der puk-Journalistenpreis wird von politik und kultur (puk), der Zeitung des Deutschen Kulturrates, jährlich ausgelobt.
 
Preisträger 2010 sind:
 
Martin Kotynek, Hans Leyendecker und Nicolas Richter, Süddeutsche Zeitung. Die Journalisten Martin Kotynek, Hans Leyendecker und Nicolas Richter von der Süddeutschen Zeitung haben mit ihren Beiträgen den NDR-Drehbuchskandal aufgedeckt. Damit haben sie eine wichtige Debatte um die Strukturen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angeregt.
 
Ulrike Migdal, freie Hörfunkjournalistin. Die Hörfunkautorin Ulrike Migdal ruft mit ihrem berührenden Beitrag „Ich schicke Dir 155 Küsse und 398 Grüße“, der am 19.05.2009 von Deutschlandfunk übertragen wurde, die lyrischen Arbeiten und Briefe der Dichterin Ilse Weber ins Gedächtnis und zeigt anhand von Webers Schicksal, wie wichtig es ist, Kunst und Kultur auch für die nachfolgenden Generationen zu bergen und zu bewahren.
 
Claudia und Günter Wallbrecht, freie Fernsehjournalisten. Die Fernsehjournalisten Claudia und Günter Wallbrecht zeigen mit ihrem NDR-Beitrag „Ich find, die singen da so komisch. Oper für Anfänger“ wie kulturelle Bildung jenseits von Event-Projekten in einem Theater vermittelt werden kann. Damit bringen sie den Fernsehzuschauern die kulturelle Vermittlungsarbeit von Regisseuren, Schauspielern und Pädagogen anschaulich näher und machen deutlich, wie sich Vorurteile und soziale Unterschiede im Raum der Kunst auflösen können.
 
Zudem erhält die Feuilletonredaktion der Münchener Boulevardzeitung tz eine Anerkennung der Jury für ihre Balladenreihe. Im Jahr 2009 hat die tz in mehreren aufeinanderfolgenden Wochenenden jeweils eine deutsche Ballade abgedruckt. Die Jury des puk-Journalistenpreises erklärte, dass mit dieser Reihe ein Schatz deutscher Kultur gehoben und einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht wurde.
 
Die Verleihung des puk-Journalistenpreises findet am Mittwoch, den 05.05.2010, um 19.30 Uhr bei Deutschlandradio, Hans-Rosenthal-Platz, 10825 Berlin, statt.
 
 
Der Jury des puk-Journalistenpreises gehören an:
Wolfgang Börnsen, MdB (Kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion),
Reiner Deutschmann, MdB (Kulturpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion),
Siegmund Ehrmann, MdB (Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion),
Prof. Dr. Max Fuchs (Präsident des Deutschen Kulturrates),
Theo Geißler (Herausgeber von politik und kultur, Verleger Conbrio-Verlag),
Dr. Lukrezia Jochimsen, MdB (Kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke),
Agnes Krumwiede, MdB (Kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen),
Prof. Dr. h.c. Klaus-Dieter Lehmann (Präsident des Goethe-Instituts),
Dr. Willi Steul (Intendant Deutschlandradio),
Olaf Zimmermann (Herausgeber von politik und kultur, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates).

inter|kultur 8 ist erschienen! Transkulturalität: Fata Morgana oder Realität?

"Die Integrationsbeauftragten schießen wie Pilze aus dem Boden, die Diskussion über die Höhe der Minarette hallt von den Schweizer Bergen bis in unsere boulevardeske Medienlandschaft, die Glut der Leitkultur glimmt immer noch unter der Asche – angefacht durch die multikultiversetzte Blindheit –, die Kultusministerkonferenz betreibt mit ihrem Beschluss zum neuen Studienbereich „Ästhetische Bildung“ Etikettenschwindel auf Schillers Rücken und beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ ist nach einer „Bundesbegegnung Baglama“ noch immer nicht eine Instrumentenauswahl anderer Kulturkreise in den Kanon der Wertungskategorien integriert." (Christian Höppner)
 
Inhalt

Transkulturalität:
Fata Morgana oder Realität?

Von Christian Höppner 1
Ringen um Anerkennung
Von Jutta Weduwen 2
Vereint für Eltern und Kinder
Von Berrin Alpbek 3
International, binational und multikulturell

Von Maria Ringler 4
„Closed Shop“ oder interkulturelle Öffnung?
Von Kristin Bäßler 5

Download von "inter|kultur 8"

Gemeindefinanzkommission entscheidet über die Zukunft der kommunalen Kulturförderung. Präsidentin des Deutschen Städtetages Petra Roth hält Nothilfefonds Kultur für wünschenswert.

 
Die Präsidentin des Deutschen Städtetages, Petra Roth, schreibt in der aktuellen Ausgabe von politik und kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates (Mai/Juni): „Die Kommunen befinden sich in der schwersten Finanzkrise der Nachkriegsgeschichte. Nie zuvor sind so viele Kommunen an die äußersten Grenzen ihrer finanziellen Handlungsfähigkeit gelangt. Mit dem Anhalten der Krise werden immer mehr Ausgabenbereiche den stetig steigenden Druck auf die Kommunalhaushalte zu spüren bekommen. Diese Entwicklung wird zwangsläufig auch den Kunst- und Kulturbereich einholen.“ Weiter bedauert Frau Roth, dass die aktuellen verfassungspolitischen Rahmenbedingungen die Durchführung von Programmen des Bundes für die kommunale Kultur in unverhältnismäßiger Weise erschweren. Sie schreibt über den vom Deutschen Kulturrat vorgeschlagenen Nothilfefonds des Bundes für kommunale Kultureinrichtungen: „So kann ein an sich wünschenswerter Nothilfefonds des Bundes zur allgemeinen Kulturförderung schon aus rein verfassungsrechtlichen Gründen nicht verwirklicht werden. Hier müssen die Möglichkeiten des Bundes zur Gewährung von Finanzhilfen optimiert werden.
 
Einig ist sich Frau Roth mit dem in derselben Ausgabe von politik und kultur schreibenden Präsidenten des Deutschen Städte und Gemeindebundes, Christian Schramm und dem Präsidenten des Deutschen Landkreistages, Hans-Jörg Duppré, wenn sie formuliert: „Die Erwartungen der Kommunen an die Gemeindefinanzkommission sind ... mehr als groß. Aus Sicht der Kommunen muss es das vorrangige Reformziel sein, die kommunalen Handlungsspielräume im Bereich der kommunalen Selbstverwaltungsaufgaben zu sichern.“ Die Gemeindefinanzkommission wurde im März 2010 von der Bundesregierung eingerichtet. In ihr verhandeln Vertreter der Kommunen, der Länder und des Bundes, wie den Kommunen für die Zukunft eine stabile Einnahmenbasis verschafft werden könnte.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Die Städte und Gemeinden müssen endlich wieder in die Lage versetzt werden, ihren kommunalen Selbstverwaltungsaufgaben nachzukommen. Städte und Gemeinden sind mehr als Dienstleister zur Erbringung von kommunalen Pflichtaufgaben. Gerade Kultur, Sport, soziale Einrichtungen und Projekte, die als sogenannte freiwillige Leistungen gefördert werden, machen das Leben in einer Kommune erst lebenswert. Wer attraktive Kommunen will, muss sie finanziell so ausstatten, dass sie auch selbst entscheiden können, wofür sie die Mittel verwandt werden sollen. Die Arbeit der Gemeindefinanzkommission wird daran zu messen sein, ob sie den Kommunen diese Spielräume, die den Kern der kommunalen Selbstverwaltung ausmachen, wieder eröffnet. Das heißt letztlich nichts anderes, als dass die Gemeindefinanzkommission auch über die Zukunft der kommunalen Kultur-, Sport und Sozialförderung entscheidet.“

Deutscher Computerspielepreis: Computerspiele sind Kulturgut. Chance, die Qualität und die Akzeptanz des Kulturgutes Computerspiele zu verbessern.

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, freut sich, dass morgen zum zweiten Mal der Deutsche Computerspielepreis, dieses Mal in Berlin, verliehen wird. Der Deutsche Kulturrat hatte vor mehr als drei Jahren gefordert, dass auch für die Computerspielebranche der rote Teppich ausgerollt und durch öffentliche Unterstützung und Auszeichnung hochwertige Spiele gefördert werden sollte. Eine solche Förderung soll den Wettbewerb und die Qualität steigern. Der Deutsche Kulturrat freut sich, dass sein Vorschlag mit der Einrichtung des Deutschen Computerspielepreises vom Kulturstaatsminister und vom Deutschen Bundestag aufgenommen wurde.
 
In den letzten Jahren hat sich der Deutsche Kulturrat intensiv um das Thema Computerspiele gekümmert. Die Dokumentation der Debatte kann unter streitfall-computerspiele.pdf nachgelesen werden.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte heute: „Computerspiele sind Kulturgut. Diese Aussage wird heute im Kulturbereich von niemandem mehr ernsthaft bestritten. Kulturgüter sind immer ambivalent. Kulturgüter können pädagogisch wertvoll sein, müssen es aber nicht. Kulturgüter können künstlerisch bedeutend sein, müssen es aber nicht. Der Deutsche Computerspielepreis ist eine Chance, die Qualität und die Akzeptanz des Kulturgutes Computerspiele zu verbessern. Dieser großen Chance sollten sich die Ausrichter des Preises, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen e.V. (G.A.M.E.), der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW) und der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU), bewusst sein.“

Neue Ausgabe: politik und kultur

Schwerpunktthemen
Internet-Enquete: Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Internet und digitale Gesellschaft“ nimmt ihre Arbeit auf. Welche Schwerpunkte wollen die Abgeordneten setzen, die der Kommission angehören? Welcher Themen wollen sie sich besonders annehmen? Neben einem Interview mit dem Vorsitzenden der Enquete-Kommission, Axel E. Fischer, stellen alle Mitglieder des Bundestages in der Enquete-Kommission ihre Ideen zur Arbeit der Enquete vor. Außerdem werden alle Mitglieder, Stellvertretende Mitglieder und Sachverständige Mitglieder der Enquete benannt und der Einsetzungsbeschluss dokumentiert und kommentiert.
 
Kulturfinanzkrise:
Wie stellt sich für Länder und Kommunen die Kulturfinanzkrise dar? Welche Erwartungen haben die kommunalen Spitzenverbände an die Gemeindefinanzkommission? Welche Perspektiven gilt es, in der Kulturfinanzierung zu entwickeln? Mit einer Einschätzung der Präsidentin des Deutschen Städtetages, Petra Roth, des Präsidenten des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Christian Schramm und des Präsidenten des Deutschen Landkreistages, Hans-Jörg Duppré. Lösungen, wie die Kultur aus der Krise kommen kann, schlagen der Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, der Finanzminister des Landes Rheinland-Pfalz, Carsten Kühl und die Staatsrätin für Kultur in Bremen, Carmen Emigholz, vor.
 
Baukultur: In seinem Leitartikel „Baukultur geht alle an“ stellt Bundesbauminister Peter Ramsauer die Bedeutung dieses wichtigen kulturellen Feldes vor. Außerdem in dieser Ausgabe von politik und kultur: Welche Anforderungen werden an Architekten und Denkmalpfleger gerichtet? Wie werden sie ausgebildet? Welche Chancen haben sie auf dem Arbeitsmarkt? Welchen Stellenwert hat Kunst am Bau für bildende Künstler? Wie kann Baukultur vermittelt werden? 
Außerdem: das Editorial zu prügelnden Lehrern und Geistlichen in Schulen und Kommentare zum dauerhaften Schweigen des Bundespräsidenten zu kulturellen Fragen und zum Bildungsföderalismus in der Vertrauenskrise und vieles mehr.

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Raus aus der Schuldenfalle

Eins müsse allen Verantwortlichen klar sein: "Ein geschlossenes Museum, Theater oder Literaturhaus wird nach der Überwindung der Finanzkrise nur in den seltensten Fällen wieder neu eröffnet werden." Lesen Sie den Gastbeitrag des Geschäftsführers des Deutschen Kulturrates für den Vorwärts April 2010 weiter

SPD will kulturelle Projekte und Initiativen in den Kommunen mit Bundesmitteln sichern. Deutscher Kulturrat begrüßt den Antrag der SPD-Bundestagsfraktion.

 
Berlin, den 25.03.2010. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass die SPD-Bundestagsfraktion in ihrem Antrag „Rettungsschirm für Kommunen – Strategie für handlungsfähige Städte, Gemeinden und Landkreise“ (Bundestagsdrucksache 17/1152) den Appell des Deutschen Kulturrates aufgenommen hat, die kommunale kulturelle Infrastruktur auch durch den Bund zu sichern. Der Antrag soll heute im Deutschen Bundestag debattiert werden.
 
Die SPD-Bundestagsfraktion fordert in ihrem Antrag die Bundesregierung auf, „im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten des Bundes, kulturelle Projekte und Initiativen in den Kommunen zu sichern und damit die kulturelle Infrastruktur zu unterstützen und aufrechtzuerhalten“. Im Sinne dieses Vorschlags könnte, wie vom Deutschen Kulturrat vorgeschlagen, die Kulturstiftung des Bundes oder die Kulturstiftung der Länder finanziell deutlich aufgestockt werden, um die kommunale kulturelle Infrastruktur zu unterstützen. So könnte auf bewährte Förderstrukturen mit vorhandenen Auswahlgremien und einer bestehenden Verwaltungsstruktur aufgesetzt werden, so dass zusätzliche Mittel des Bundes unmittelbar den Kultureinrichtungen, Initiativen und kulturellen Projekten vor Ort zu Gute kommen würden.
 
Positiv ist ferner, dass die SPD-Bundestagsfraktion fordert, dass die Gemeindefinanzkommission um Vertreter der wichtigsten gesellschaftlichen Gruppen und unabhängige Wissenschaftler erweitert werden soll. Damit würde die Kommission um zusätzlichen Sachverstand erweitert und zugleich ein Beitrag zur Akzeptanz der Vorschläge geleistet werden.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Es ist sehr positiv, dass sich mit der Finanzkrise in den Kommunen nicht abgefunden wird, sondern neben unumgänglichen mittel- und langfristigen Maßnahmen zur Sicherung der kommunalen Selbstverwaltung auch kurzfristige Maßnahmen in die parlamentarischen Debatten im Deutschen Bundestag eingebracht werden. Gerade die kulturelle Infrastruktur ist ein zentraler Ausdruck der kommunalen Selbstverwaltung. Damit die Kommunen diese Infrastruktur in schwierigen Zeiten sichern können, brauchen sie jetzt eine Unterstützung des Bundes.“

NRW-Union will kulturelle Infrastruktur des Landes ohne Bundeshilfe sichern.

Deutscher Kulturrat und Ruhr 2010 veranstalteten

1. Montagsgespräch in Essen
 
Berlin, den 23.03.2010. Gestern Abend fand das 1. Montagsgespräch des Deutschen Kulturrates und der Ruhr 2010 GmbH im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres statt. Norbert Bude, Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach (SPD), Prof. Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der Ruhr 2010 GmbH, Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, MdL, Kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag von NRW und Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates diskutierten im RWE-Pavillon der Philharmonie Essen zum Thema „Kulturfinanzierung – welche Perspektiven bestehen?“. Die Moderation hatte Tamara Tischendorf, WDR.
 
Prof. Dr. Oliver Scheytt unterstrich in der Veranstaltung, dass von Ruhr 2010 ein Aufbruchsignal für die Kultur und Kulturpolitik ausgeht.
 
Drei Themen wurden in der Diskussion besonders intensiv beleuchtet:
Staatsziel Kultur im GG,
Nothilfefonds des Bundes für kommunale Kultureinrichtungen
und Veränderung der kulturellen Infrastruktur aufgrund des demografischen Wandels.
 
Staatsziel Kultur im Grundgesetz
 
Drei der Diskutanten, Prof. Dr. Oliver Scheytt, Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, MdL und Olaf Zimmermann, gehörten der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Kultur in Deutschland“ an. Sie bekräftigten noch einmal die im Zwischen- und Schlussbericht der Enquete-Kommission formulierte Forderung nach der Verankerung des Staatsziels Kultur im Grundgesetz. Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg erinnerte darüber hinaus daran, dass das Staatsziel Kultur in der Landesverfassung von NRW verankert ist und daher bereits eine Wirkung entfalte. Norbert Bude unterstrich, dass das Staatsziel Kultur im Grundgesetz seine Verhandlungsposition gegenüber der Kommunalaufsicht stärken würde, wenn es um die Genehmigung von Kulturausgaben im Rahmen der Haushaltssicherung geht. Hier wurde von kommunaler Seite klar gestellt, dass das Staatsziel Kultur eben kein Placebo ist, sondern Wirkung entfalten würde.
 
Nothilfefonds des Bundes für kommunale Kultureinrichtungen
 
Diskutiert wurde zudem der Vorschlag des Deutschen Kulturrates, einen Nothilfefonds Kultur bei der Kulturstiftung des Bundes oder der Kulturstiftung der Länder einzurichten. Aus Mitteln des Nothilfefonds Kultur sollten in Not geratene kommunale Kultureinrichtungen kurzfristig unterstützt werden. Dieser Vorschlag wurde von Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, MdL unmissverständlich abgelehnt. Er unterstrich, dass das Land NRW stark genug sei, um die Probleme der kommunalen Kulturfinanzierung selbst zu lösen. Er teilte die Einschätzung des Städtetags NRW, dass den Kommunen insbesondere bei der Theaterfinanzierung als Kernbestandteil des kommunalen Kulturangebots geholfen werden müsse. Olaf Zimmermann sagte, dass sich die NRW-Union an dieser klaren Aussage messen lassen muss. Darüber hinaus müsse sichergestellt werden, dass alle kulturellen Bereiche also auch die Bibliotheken, Museen, soziokulturellen Zentren, Musikschulen, Jugendkunstschulen und die freie Szene bei der Unterstützung berücksichtigt werden.
 
Veränderung der kulturellen Infrastruktur
 
Einigkeit bestand bei den Diskutanten, dass angesichts der demografischen Veränderungen, wie dem steigenden Anteil älterer Menschen, der Abwanderung junger Menschen in vielen Regionen und dem wachsenden Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund, im Kulturbereich Diskussionen zur Zukunft der kulturellen Infrastruktur dringend erforderlich sind.

Das teuerstes Musikstück der Welt

 
Wie hört sich der Absturz von Lehman Brothers an? Kann man dem sterbenden Dow Jones lauschen? Johannes Kreidler hat den Billion-Dollar-Song zur Wirtschaftskrise, als „teuerstes Musikstück der Welt“ komponiert. Zumindest hier hat die Finanzkrise zu ein bisschen mehr Musik geführt. Dies ist aber die absolute Ausnahme. Zur Zeit sterben bewährte und funktionierende Kultureinrichtungen, und man muss kein Pessimist sein, wenn man annimmt, dass auch nach dem Durchschreiten der konjunkturellen Talsohle diese Einrichtungen nicht wieder reanimiert werden. Besonders die Kommunen befinden sich in einer tiefen Finanzkrise, die gerade auch auf den Musikbereich vor Ort durchschlägt. ... Weiterlesen können Sie den Text im Internet in der März-Ausgabe der neue musikzeitung [nmz].

Scharfe Töne in Generaldebatte zum Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann / Mittelkürzung bei der Kulturstiftung des Bundes ist ein falsches Signal

 
Heute fand im Rahmen der Generaldebatte zum Etat der Bundeskanzlerin auch die Diskussion um den Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, MdB im Deutschen Bundestag statt.
 
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass der Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, MdB erneut einen Aufwuchs erfahren hat. Dieses ist ein deutliches Signal an die Länder und Kommunen, auch in finanzpolitisch schwierigen Zeiten nicht an der Kultur zu sparen. Dieses Signal ist wichtig und wird hoffentlich in den Ländern und Kommunen gehört werden.
 
Der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen, MdB hat dieses Signal in der Debatte besonders hervorgehoben und darauf verwiesen, dass durch die Gemeindefinanzreform die Spielräume der Kommunen zur Kulturfinanzierung erweitert werden sollen. Er hat Kürzungen bei der Kulturstiftung des Bundes und der Deutschen Welle mit Skepsis an deren Ausgabenpolitik begründet. Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion Reiner Deutschmann, MdB lobte ebenfalls den Aufwuchs bei den Kulturfördermitteln des Kulturstaatsministers und verwies auf die im Etat des Bundeswirtschaftsministers veranschlagte Erhöhung der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft.
 
Deutlich schärfere Töne als in den Vorjahren waren von der Opposition zu hören, zwar verwiesen die Berichterstatterin der SPD-Fraktion für Kultur im Haushaltsausschuss Petra Merkel, MdB und der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Siegmund Ehrmann, MdB auf große Schnittmengen aller Fraktionen in Sachen Kulturpolitik hin, sie sahen aber ebenso Defizite in der Kulturpolitik des Bundes. Petra Merkel, MdB kritisierte, dass im Haushaltsausschuss der Antrag zur Erhöhung des Etats der Kulturstiftung des Bundes abgelehnt wurde. Aus den in diesem Antrag vorgesehenen Mittel hätte besonders in Gefahr stehenden Kulturprojekten eine Überbrückungshilfe geleistet werden können. Sie mahnte gleichfalls an, dass demgegenüber Mittel für Vorhaben bewilligt wurden, für die noch kein Konzept vorliegt. Hier wird offenbar mit verschiedenerlei Maß gemessen. Siegmund Ehrmann, MdB beklagte ebenfalls die fehlende Aufstockung bei der Kulturstiftung des Bundes und regte darüber hinaus in Anlehnung das Blaubuch Ost, in dem Kultureinrichtungen in Ostdeutschland mit gesamtstaatlicher Bedeutung verzeichnet sind, ein Blaubuch West an. Er forderte insgesamt eine inhaltliche Weiterentwicklung der Kulturförderpolitik des Bundes mit einer Mittelverstärkung. Dr. Lukrezia Jochimsen, MdB kulturpolitische Sprecherin von Die Linke, setzte sich erneut für ein Soforthilfeprogramm für in Not geratene Kultureinrichtungen ein. Sie rief den Gegnern dieses Soforthilfeprogramms zu, dass sie, wenn sie dem nicht zustimmen wollen, dann gefordert sind, eine Alternative vorzuschlagen, die jetzt hilft und nicht auf die Gemeindefinanzreform zu vertrösten. Die medienpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Tabea Rößner, MdB vermisste klare medienpolitische Ziele und medienpädagogische Vorhaben.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Die Tonlage in dieser Debatte zum Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann war deutlich härter als in den Vorjahren. Die Etatsteigerung wurde zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, vermisst wurden von den Abgeordneten aber klare kulturpolitische Ziele. Äußerst bedauerlich ist, dass erneut die Kulturstiftung des Bundes geschröpft wurde. Schon in den Vorjahren musste sie immer wieder Mittelkürzungen hinnehmen, jetzt wäre es an der Zeit gewesen, ihr mehr Mittel zuzuweisen, damit fachkundig, schnell und verfassungskonform in Not geratenen kommunale Kultureinrichtungen und Kulturprojekten geholfen werden könnte. Jetzt die Mittel der Kulturstiftung des Bundes zu kürzen, ist ein falsches Signal in Zeiten der kommunalen Spartsunamis.“

Nothilfefonds Kultur: Kulturstiftung des Bundes oder Kulturstiftung der Länder sollten Träger sein Deutscher Kulturrat verabschiedet Resolution zur Krise der kommunalen Kulturfinanzierung

 
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass das Bundeskabinett eine Kommission zur Neuordnung der Gemeindefinanzen eingesetzt hat. Die Kulturfinanzierung ist in hohem Maße von einer ausreichenden Finanzausstattung der Kommunen abhängig, da die Kommunen den größten Teil der Kulturfinanzierung tragen.
 
Der Deutsche Kulturrat sieht neben der dringend erforderlichen Neuordnung der Kommunalfinanzen bis hin zu einer entsprechenden Steuergesetzgebung vordringlich das Erfordernis einer Entschuldung der Städte und Gemeinden. Trotz teilweise rigider Sparmaßnahmen, trotz Haushaltssicherungskonzepten können viele Kommunen ihre Schulden nicht nachhaltig abbauen, sondern sitzen in der Schuldenfalle. Es ist daher erforderlich, auch für diese Kommunen Konzepte zu erarbeiten, damit neue Ansätze in der Kommunalfinanzierung nicht gleich wieder durch Altlasten konterkariert werden.
 
Darüber hinaus ist es aus Sicht des Deutschen Kulturrates erforderlich, dass neben diesen mittel- und langfristigen Maßnahmen kurzfristige verfassungskonforme Lösungsansätze entwickelt werden, damit die kulturelle Infrastruktur, dazu gehören auch kulturelle Projekte, keinen Schaden nimmt.
 
Im Koalitionsvertrag haben die Regierungsfraktionen festgestellt, dass „Kulturförderung keine Subvention, sondern eine unverzichtbare Investition in die Zukunft der Gesellschaft ist“. Damit wurde der Investitionsbegriff politisch aus dem engen Kreis der Bau- oder sonstigen Sachinvestitionen gelöst. Diese politische Aussage des Koalitionsvertrags gilt es nun für kurzfristige Nothilfemaßnahmen bei der Kulturfinanzierung einzulösen.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Anfang der 1990er Jahre, als es um die Sicherung der kulturellen Infrastruktur in Ostdeutschland ging, hat eine christlich-liberale Bundesregierung beherzt Nothilfe geleistet. An diese Modelle sollte im 20ten Jahr der Vereinigung angeknüpft werden und in Form eines Nothilfefonds Kultur Hilfe geleistet werden. Dieser Nothilfefonds könnte beispielsweise bei der Kulturstiftung des Bundes angesiedelt werden. Der Bund könnte ebenfalls diesen Nothilfefonds der Kulturstiftung der Länder übertragen, die er bis vor wenigen Jahren zur Hälfte mitfinanziert hat. Ebenso sind die Länder gefordert, den Kommunen zu helfen. Sie könnten ebenfalls einen Nothilfefonds Kultur der Kulturstiftung der Länder angliedern. Die Länder haben in den Föderalismusreformen der letzten Wahlperiode ihre Zuständigkeit für Kultur mit Nachdruck vertreten. Daraus folgt, dass sie jetzt auch Verantwortung tragen und zwar nicht nur jedes Land für sich allein, sondern die Gemeinschaft der Länder für den Gesamtstaat.“

politik und kultur - Download

Die neue Ausgabe (Online-Version) von politik und kultur (März/April 2010)
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25.02.2010 Gestern fand im Deutschen Bundestag eine öffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien zum Thema „Lage der öffentlichen Kulturfinanzierung in der Finanz- und Wirtschaftskrise – Lösungsmöglichkeiten für den Erhalt der kulturellen Infrastruktur in den Ländern und Kommunen“ statt.

 
Neun Experten standen den Abgeordneten des Deutschen Bundestags für ihre Fragen zur Verfügung. Es waren: Rolf Bolwin, Geschäftsführender Direktor, Deutscher Bühnenverein; Hajo Cornel, Abteilungsleiter, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg; Jörg Freese, Beigeordneter für Gesundheit, Jugend und Bildung des Deutschen Landkreistags; Klaus Hebborn, Beigeordneter für Bildung, Kultur und Sport des Deutschen Städtetags; Dr. Nikolas Hill, Staatsrat, Behörde für Kultur, Sport und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg; Peter Lönnecke, Referatsleiter, Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst; Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Meyer, Humboldt-Universität zu Berlin, Juristische Fakultät; Prof. Dr. Christian Waldhoff, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät; Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats e.V.
 
Übereinstimmend erklärten die Experten, dass die Situation der Kulturfinanzierung in den Ländern und Kommunen äußerst angespannt ist. Dabei sind regionale Unterschiede festzustellen, die unter anderem mit dem Kommunalisierungsgrad der Kulturfinanzierung und der wirtschaftlichen Situation der jeweiligen Länder bzw. Regionen zusammenhängen. Die Experten aus dem Kulturbereich und von den kommunalen Spitzenverbänden schilderten, dass es eben nicht mehr um einzelne Einsparungen, sondern um die Gefahr einer Zerstörung der kulturellen Infrastruktur geht. Darum ist es erforderlich, neben der dringend notwendigen grundlegenden Stärkung der kommunalen Finanzen, jetzt Hilfen bereit zu stellen, damit kein zu großer Schaden entsteht.
 
Von Seiten der Verfassungsrechtler wurde erklärt, dass dem vom Deutschen Kulturrat vorgeschlagenen Nothilfefonds Kultur verfassungsrechtliche Bedenken entgegen stehen. Die Föderalismusreform I aus dem Jahr 2006 hat die zuvor möglichen Wege einer unmittelbaren Hilfe des Bundes in der Kulturfinanzierung der Länder und Kommunen abgeschnitten. Die „Schleichwege“, die im Rahmen der Föderalismusreform II gefunden wurden, damit der Bund in außergewöhnlichen Notlagen Ländern und Kommunen bei Investitionen doch helfen kann, gelten nach Meinung der angehörten Verfassungsrechtler nur für Investitionen im Sinne von Baumaßnahmen.
 
Der Verfassungsrechtler Prof. Dr. Dr. Meyer wies zugleich als „schlitzohrigen Ausweg“ darauf hin, dass entgegen der Verfassungslage der Bund dennoch politisch tätig werden könnte, denn „wo kein Kläger, da kein Richter“. Rolf Bolwin erinnerte an die Übergangsfinanzierung des Bundes für kulturelle Infrastruktur in den neuen Ländern, die Anfang der 1990er Jahre aus politischen Gründen zügig auf den Weg gebracht wurde. Jetzt besteht ebenfalls eine besondere Situation und politisches Handeln wäre nötig.
 
Nachdem der Nothilfefonds Kultur auf verfassungsrechtliche Bedenken stieß, unterbreitete der als Experte eingeladene Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, zwei zusätzliche Lösungsvorschläge, um die kulturelle Infrastruktur in den Kommunen zu sichern. Zum einen könnte der Etat der Kulturstiftung des Bundes deutlich aufgestockt werden, damit von ihr in einem befristeten Zeitraum Projektmittel zur Sicherung der kulturellen Infrastruktur vergeben werden könnten. Hier könnte an eine bestehende Struktur angeknüpft werden, die über umfassende Erfahrungen in der Projektförderung verfügt. Zum zweiten könnten auch die Länder die Kulturstiftung der Länder finanziell stärken und dort einen entsprechenden Projektfonds einrichten. Darüber hinaus könnte sich der Bund an einem solchen Fond finanziell beteiligen. Da der Bund lange Jahre die Kulturstiftung der Länder mitfinanziert hat, dürften diesbezüglich eigentlich keine verfassungsrechtlichen Bedenken bestehen.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Ein bisschen skurril ist es schon, wenn bei der Anhörung aus den Reihen der Unionsfraktion ständig betont wird, dass eine Hilfe für notleidende Kultureinrichtungen in den Kommunen mit einem Nothilfefonds des Bundes, aufgrund der verfassungsgemäßen Zuständigkeit der Länder für die Kulturförderung nicht gewährt werden darf und gleichzeitig Kulturstaatsminister Bernd Neumann, MdB (CDU), dessen Partei bei der Schaffung des Amtes auch grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedenken hatte, der Anhörung zuhörte. Vielleicht sollte die Union einmal der „schlitzohrigen Empfehlung“ des angehörten Verfassungsrechtlers Prof. Meyer folgen und für die Unterstützung der Kultur einfach mal etwas mehr wagen.“

Nothilfefonds Kultur: Föderalismusreform II hat den Weg frei gemacht
Deutscher Kulturrat bekräftigt Vorschlag für Nothilfefonds Kultur

 
Heute Nachmittag [Berlin, 24.02.2010] findet im Kulturausschuss des Deutschen Bundestags eine öffentliche Sitzung zum Thema „Lage der öffentlichen Kulturfinanzierung“ statt. Dabei soll auch der Vorschlag des Deutschen Kulturrates nach einem Nothilfefonds Kultur debattiert und von Experten aus den Kulturverbänden, der Wissenschaft und den kommunalen Spitzenverbänden bewertet werden.
 
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass sein Vorschlag in dieser öffentlichen Sitzung von den Parlamentariern auf den Prüfstand gestellt wird. Der Deutsche Kulturrat unterstreicht, dass der Nothilfefonds Kultur dazu dienen soll, kommunale Kultureinrichtungen zu unterstützen, die aufgrund der Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise in eine Schieflage kommen. Damit soll die kulturelle Infrastruktur gesichert werden.
 
Der im letzten Jahr neu gefasste Art. 104 b Grundgesetz schafft hierfür die rechtliche Grundlage. Mit der Verabschiedung der Föderalismusreform II wurde im Grundgesetz verankert, dass der Bund in außergewöhnlichen Notlagen wie der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise auch in den Gebieten Finanzhilfen gewähren darf, in denen er keine originäre Gesetzgebungskompetenz hat. Mit dieser Regelung ist verfassungsrechtlich der Weg frei gemacht worden, dass die Mittel aus dem Konjunkturpaket II auch für Investitionen in Bildungs- und Kultureinrichtungen verwendet werden konnten.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Gerade weil die Kulturfinanzierung als sogenannte freiwillige Aufgabe der Kommunen missverstanden wird, leidet der Kulturbereich deutlicher als andere Bereiche unter der Finanzkrise der öffentlichen Hände. Was wir jetzt sofort brauchen, ist ein „Nothilfefonds Kultur“ des Bundes für kommunale Kulturstrukturen, um den kulturellen Kahlschlag, den die Wirtschaftskrise in den Kommunen ausgelöst hat, zu begrenzen. Der Bund darf seit der letzten Föderalismusreform in einer solchen außergewöhnlichen Notlage helfen. Die Hände in den Schoß zu legen und auf bessere Zeiten zu warten, ist unverantwortlich.“

Deutscher Kulturrat: Jahresbericht 2009 ist erschienen!

2009 - PDF

Wg. Jobcenter: Staatsziel Kultur im Grundgesetz könnte jetzt Wirklichkeit werden. Deutscher Kulturrat fordert Bundestagsfraktionen auf, jetzt dem Kulturbereich in der Krise nachhaltig helfen

 
Die Ministerpräsidenten der unionsregierten Bundesländer und die Fraktionsspitze von CDU/CSU haben sich im Streit um die Reform der Jobcenter geeinigt. Sie wollen mit den anderen Fraktionen im Deutschen Bundestag über eine Änderung des Grundgesetzes verhandeln. Die Opposition signalisiert Bereitschaft zum Gespräch.
 
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, fordert, dass bei den nun anstehenden Diskussionen zur Grundgesetzänderung jetzt endlich auch das Staatsziel Kultur im Grundgesetz auf den Weg gebracht wird.
 
Der Deutsche Kulturrat fordert, dass das Grundgesetz um den Art. 20 b „Der Staat schützt und fördert die Kultur“ ergänzt wird. Diese Grundgesetzergänzung entspricht 1 : 1 der Empfehlung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Kultur in Deutschland“.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Dem Kulturbereich steht das Wasser bis zum Hals. Gerade weil die Kulturfinanzierung als sogenannte freiwillige Aufgabe der Kommunen missverstanden wird, leidet der Kulturbereich deutlicher als andere Bereiche unter der Finanzkrise der öffentlichen Hände. Jetzt soll das Grundgesetz wegen der Jobcenter geändert werden. Wir fordern die Fraktionen des Deutschen Bundestages auf, die bereits seit langem das Staatsziel Kultur im Grundgesetz verankern wollen, auf, die Chance dieser jetzt anstehenden Grundgesetzänderung zu nutzen. Die SPD-Fraktion, die FDP-Fraktion und die Fraktion Die Linke haben sich bereits für das Staatsziel Kultur im Grundgesetz ausgesprochen. Teile der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der CDU/CSU-Fraktion haben sich ebenfalls zu Kultur als Staatsziel bekannt. Jetzt heißt es Flagge zeigen und dem Kulturbereich in der Krise nachhaltig helfen.“

Aller Anfang ist schwer: 100 Tage schwarz-gelbe Kulturpolitik

Bundesregierung muss Nothilfefonds des Bundes zur Unterstützung von in Not geratenen kommunalen Kultureinrichtungen einrichten

Heute ist die schwarz-gelbe Bundesregierung 100 Tage im Amt. Die kulturpolitischen Vorhaben des Koalitionsvertrags überschrieb der Deutsche Kulturrat mit „zwischen Zukunftswillen und Mutlosigkeit“ und genauso sind die ersten 100 Tage in der Kulturpolitik des Bundes.
 
Kulturstaatsminister Bernd Neumann, MdB ist es zwar erneut gelungen, im Haushaltsentwurf seinen Etat zu erhöhen, für den Kulturetat des Auswärtigen Amtes scheint dieses nicht zu gelten. Hier erreichen den Deutschen Kulturrat beunruhigende Nachrichten. So wird sich das Auswärtige Amt bereits in diesem Jahr aus der Mitfinanzierung der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen zurückziehen und auch bei anderen Veranstaltungen im Inland mit internationalem Bezug sollen deutliche Kürzungen bis zur Aufgabe der Förderung erfolgen.
 
Positiv ist, dass für die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung für dieses Jahr insgesamt 4,5 Millionen Euro zur Umsetzung kreativwirtschaftlicher Konzepte zur Verfügung stehen sollen. Hier scheinen Akzente geplant zu sein.
 
Initiativen zur Verankerung des Staatsziels Kultur lassen jedoch bislang auf sich warten. Einem Nothilfefonds des Bundes zur Unterstützung von in Not geratenen kommunalen Kultureinrichtungen steht die Bundesregierung nach wie vor zurückhaltend gegenüber. Hier wird die noch für diesen Monat geplante Anhörung des Kulturausschusses des Deutschen Bundestags hoffentlich bald mehr Klarheit bringen.
 
Unklar ist, was die Bundesregierung im Bereich Digitalisierung und Internet vor hat. Hier wird voraussichtlich der Deutsche Bundestag mit der geplanten Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ in Vorlage gehen.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Aller Anfang ist schwer, das zeigt sich auch bei der Kulturpolitik der schwarz-gelben Koalition. Echte positive kulturpolitische Akzente konnten noch nicht gesetzt werden. Negativ wird sich das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz auswirken, da hierdurch die finanzielle Basis der Kommunen noch einmal geschwächt und damit der kommunalen Kulturfinanzierung ein Bärendienst erwiesen wird. Auch deshalb muss die Bundesregierung endlich einen Nothilfefonds zur Unterstützung von in Not geratenen kommunalen Kultureinrichtungen einrichten.“

KEF-Bericht: Keine guten Nachrichten für die Kultur- und Medienwirtschaft

Deutscher Kulturrat sieht Personalabbau bei öffentlich-rechtlichem Rundfunk mit Sorge

Die KEF (Kommission zur Entwicklung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) stellte am 25.01.10 ihren 17. Bericht vor. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, sieht den angemahnten Personalabbau bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit Sorge.
 
Als zentrales Anliegen stellt die KEF heraus, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten unverzüglich ihren Stellenabbau präzisieren sollen. Das ZDF soll in der laufenden Gebührenperiode 100 Stellen einsparen und die ARD-Anstalten 300 Stellen bzw. 50 Mio. Euro. Die ARD hat bereits angekündigt, dass sie ihre Einsparungen u.a. durch die Reduzierung von Aushilfskräften und durch einen geringeren Einsatz von Fremdfirmen erbringen will.
 
Die KEF fordert die ARD-Anstalten auf, den Hörfunk noch stärker im sogenannten Selbstverfahrerbetrieb, d.h. die Moderatoren und Sprecher bedienen das Studio technisch selbst, zu produzieren. Bereits heute werden die sogenannten Pop- und Jugendwellen der ARD-Anstalten zu 100% im Selbstfahrerbetrieb produziert. Reine Regiebetriebe sind nur noch die Informationswellen des Bayerischen Rundfunks (BR) und des Hessischen Rundfunks, die Kulturwellen des Südwestrundfunks (SWR) und des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Der KEF sind besonders die personalintensiven Kultur- und Informationswellen des WDR, BR und SWR ein Dorn im Auge. Hier sehen sie Einsparpotenzial.
 
Weiter soll laut KEF das festangestellte Personal aller Rundfunkanstalten auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden. Erst vor zwei Jahren hat die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Kultur in Deutschland“ einen Ausbau der Stellen für feste Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefordert.
 
Ferner sollen laut KEF vermehrt befristete Beschäftigungsverhältnisse geschlossen werden. Begrüßt wird von der KEF, dass das ZDF die Honorare für freie Mitarbeiter abflachen, sprich kürzen, will.
 
In der im Dezember 2009 vorgelegten Untersuchung des Deutschen Kulturrates „Der WDR als Kulturakteur – Anspruch ∙ Erwartung ∙ Wirklichkeit“ wird von den Autoren hervorgehoben, dass der WDR seinen bisherigen Stellenabbau von 441 Stellen in den Jahren 1994 bis 2009 sozialverträglich abgefedert und sich die Zahl der Mitarbeiter kaum verändert hat. Im WDR haben zu dieser Entwicklung vor allem personalwirtschaftliche Maßnahmen wie die Ausweitung der Teilzeit beigetragen. Mit Blick auf die Urheber- und Leistungsvergütungen wird dargestellt, dass sie beim WDR in der Summe relativ konstant geblieben sind. Da der WDR für freiberufliche Künstler ein wichtiger Auftraggeber ist, ist dies von großer Bedeutung für die Kulturwirtschaft.
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Wer über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schimpft und seine vermeintliche Verschwendung anprangert, hat zumeist die öffentliche Meinung auf seiner Seite. Der jüngste KEF-Bericht sollte denjenigen, die sich für hochwertige Arbeitsplätze in der Kultur- und Medienbranche einsetzen aber den Schweiß auf die Stirn treiben. Während allerorten mit viel staatlichen Mitteln versucht wird, Arbeitsplätze zu erhalten, geht es der KEF darum, dass Stellen abgebaut werden, dass unsichere, unbefristete Beschäftigungsverhältnisse geschlossen werden und dass die Honorare sinken sollen. Das sind keine guten Nachrichten für die Kultur- und Medienwirtschaft. Die Einsparmaßnahmen werden zu Lasten der Arbeitnehmer, der freiberuflichen Kultur- und Medienschaffenden und der Produktionsfirmen, die zuliefern, gehen.“

Krise der öffentlichen Kulturfinanzierung

Für immer verloren
Kulturabbaugesetz" als Folge der Finanzkrise
 
von Christhard Läpple
 
Was hat das neue Wachstumsbeschleunigungsgesetz mit dem Schauspielhaus in Wuppertal zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Doch die Steuerreform zugunsten von Hoteliers, Erben, Unternehmen und Familien wird auf Kosten der völlig überschuldeten Kommunen finanziert. 1,6 Milliarden Euro stehen den Städten im Jahre 2010 weniger zur Verfügung.
 
Die müssen nun zusätzlich eingespart werden, obwohl viele Städte und Gemeinden angesichts von Einnahmeausfällen und sozialen Mehrausgaben längst vor dem Kollaps stehen. Kultur als "freiwillige Leistung" wird als erstes Sparpotential ausgemacht.
 
Kultur als Sündenbock
 
Die Nerven liegen blank. In einem aufsehenerregenden Offenen Brief hat sich Essens Generalmusikdirektor Stefan Soltesz dagegen verwahrt, ständig öffentlich geförderte Kultur zum "Sündenbock" der Politiker zu machen. Die ständige Thematisierung der Finanzmisere im Zusammenhang mit der Kultur findet der renommierte Dirigent am Essener Aalto-Musiktheater "unrichtig, beinahe demagogisch".
 
Doch überall - von Flensburg bis Friedrichshafen - stehen Zuschüsse für Theater, Museen, Musikschulen und Bibliotheken auf dem Prüfstand. Besonders hart trifft es Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Ein Beispiel: Wuppertal ist bereits mit zwei Milliarden Euro hoffnungslos überschuldet, ein "Haushaltssicherungskonzept" sieht nun Kürzungen im Bereich der Kultur von bis zu 30 Prozent vor. Zwei Stadtteilbibliotheken sollen geschlossen werden, Jugendmusikschulen und Sinfoniekonzerte werden spürbar teurer. Die drastischen Einschnitte bedeuten auch den Todesstoß für das Wuppertaler Schauspielhaus, an dem bis vor kurzem noch Pina Bausch ihre weltberühmten Aufführungen präsentierte.
 
Notfonds gefordert
 
So wird aus dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz, befürchten Kritiker, ein riesiges "Kulturabbaugesetz". Ein "Spar-Tsunami" rollt auf das Land zu, schlägt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Alarm. Im aspekte-Interview spricht er "von einem flächendeckenden Niedergang" und einer "neuen Qualität des Sparens". Was einmal geschlossen werde, sei für immer verloren, so Zimmermann. Deshalb müsse der Bund Verantwortung übernehmen. Der Deutsche Kulturrat fordert einen Notfonds der Bundesregierung für betroffene Kommunen.
 
Wie ernst ist die Lage wirklich? aspekte ist vor Ort. In diesen Tagen feiert Deutschland das Ruhrgebiet als europäische Kulturmetropole 2010. Politiker werden nicht müde zu erklären, dass heutzutage nicht mehr Kohle, sondern "Kultur als Rohstoff der Zukunft" zu entwickeln sei. Wie es um den Rohstoff Kultur bestellt ist, wo die ersten harten Verteilungskämpfe ausgetragen werden, zeigen wir an Beispielen in Essen, Krefeld und Wuppertal.  
Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, schlägt wegen der massiven Einsparungen in den Kulturetats der Kommunen Alarm. Er fordert einen Notfonds der Bundesregierung. Ein Interview mit aspekte (ZDF) finden Sie unter:
Olfa Zimmermann im Interview

15.12.2009

WDR leistet viel für Kultur und KulturwirtschaftStudie des Deutschen Kulturrates „Der WDR als Kulturakteur“ in Köln vorgestellt

 
Kultur in ihrer ganzen Vielfalt spielt im WDR Fernsehen und WDR Hörfunk eine wichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Der WDR als Kulturakteur. Anspruch – Erwartung – Wirklichkeit“, die der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, im Auftrag des WDR durchgeführt hat. WDR-Intendantin Monika Piel stellte die Studie gemeinsam mit den Autoren Olaf Zimmermann und Gabriele Schulz, Geschäftsführer und Stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kulturrats, heute in Köln vor.
 
Die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks, Monika Piel, erklärte: „Wir haben uns mit der Beauftragung der Studie ganz bewusst an den Deutschen Kulturrat als ebenso kundige wie unabhängige Institution gewandt, mit der wir seit Jahren eine gute, offene und kritische Zusammenarbeit führen. Die Ergebnisse der umfangreichen Studie freuen uns sehr. Sie sind für uns Bestätigung und gleichzeitig Ansporn für die Zukunft. Mit Kritik werden wir uns ernsthaft auseinander setzen.“
 
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats der Studie, Olaf Zimmermann, erklärte: „Der gefühlten Wahrheit über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Fakten gegenüberzustellen, die die Gefühle bestätigen oder widerlegen, ist das Ziel der Studie. Gerade der Kulturbereich, der vom Wohl und Wehe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks unmittelbar betroffen ist, kann es sich nicht leisten, seine Beurteilungen zu einem nicht geringen Anteil aus dem Bauch heraus zu treffen.“
 
Die Studie des Deutschen Kulturrats macht deutlich, dass Kultur beim WDR in allen Programmen ihren Platz findet und der Sender seine Kulturprogramme entgegen mancher Kritik von Künstlern, Kulturschaffenden oder Kulturpolitikern nicht vernachlässigt. Die in der Studie zusammengestellten Daten liefern eine Fülle an Material, dem die Leistung des WDR für die Kulturwirtschaft, aber auch für das kulturelle Leben zu entnehmen ist.
 
Die Studie des Deutschen Kulturrats zeigt, dass der Kulturanteil im WDR Fernsehen bei 40 Prozent liegt. In der Sendung Lokalzeit, die einen wichtigen Beitrag zur Identitätsbildung des Landes NRW leistet, ist beispielsweise ein Kulturanteil von 17 Prozent festzustellen. Auch im Hörfunk hat Kultur im WDR eine herausragende Rolle – so ist der weitaus größte Teil (79 Prozent) des WDR Hörfunks Kulturprogramm. Hier zeigt sich auch die große Bedeutung des WDR – nicht zuletzt durch seine vier Klangkörper – für den Musikbereich. Im Hörfunk leistet sich der WDR gleich zwei Kulturprogramme, und die Kulturpartnerschaften von WDR 3 sind laut Studie ein „Meisterwerk an Vernetzung mit dem Kulturbereich“.
 
In der Studie wird darüber hinaus bestätigt, dass die Kulturprogramme genauso wie die Klangkörper auf einer stabilen Finanzierung basieren und die Vergütungen für freiberufliche Kulturschaffende den mit den Gewerkschaften ausgehandelten Vereinbarungen entsprechen.

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