Buslau, Oliver

Buslau, Oliver


Die fünfte Passion: Roman - hier erhältlich

ORIGINALAUSGABE

Taschenbuch, Goldmann Verlag, 544 Seiten
ISBN: 978-3-442-46511-8
€ 8,95


Es ist vollbracht!
O Trost für die gekränkten Seelen!
Die Trauermacht
Lässt nun die letzte Stunde zählen.

Johann Sebastian Bach: Johannespassion

 

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Oliver Buslau

Leseprobe aus "Die fünfte Passion" von Oliver Buslau

Klappentext

Der Musikwissenschaftler Adrian Fischer wird ermordet. Seine Tochter Gwendolyn, eine erfolgreiche Opernsängerin, hatte wenig Kontakt zu ihrem Vater. Nun muss sie sich aber mit dessen Nachlass befassen und macht eine erschreckende Entdeckung: Ihr Vater hatte ein verschollenes Bach-Manuskript gefunden, in dem das Datum des jüngsten Tags verschlüsselt ist. Gwendolyn erhält kurz darauf einen mysteriösen Anruf: Ein Unbekannter versucht, die Herausgabe der Noten zu erpressen. Und dann entgeht Gwen nur knapp einem Mordanschlag ...

Auszug aus dem ersten Kapitel des Romans


Gwendolyn Fischer steigerte sich in die letzten Takte des großen Duetts hinein.
      Nur der Bruchteil einer Sekunde blieb ihr, um Kraft für die hohen Töne am Schluss zu sammeln – dem Höhepunkt des ganzen Stückes. Gemeinsam mit ihr übernahm der dicke norwegische Tenor Ole, dessen Nachnamen sie sich
einfach nicht merken konnte, die Melodie. Für einen Moment fürchtete Gwen, ihre Stimme sei nicht stark genug, um mit Oles Heldenorgan mithalten zu können und das riesige Halbrund des Konzertsaals zu füllen, doch dann sah sie, wie der Dirigent Christopher Leonard sie anlächelte. Es war, als würde er den Norweger nicht im Geringsten beachten. Er sah nur sie, und allein sein Blick ging Gwen
durch und durch. Ein Schauer lief durch ihren Körper, als sie sich dem Schluss des Duetts näherten, angetrieben vom Orchester und den Dirigierbewegungen. Der feuchte Glanz auf Christophers Haut hatte etwas ungemein Erotisches.
Ein Schub heißer Emotionen durchströmte sie, während sie sich im Dreivierteltakt treiben ließ.
Natürlich wusste sie, dass sie den Norweger schon nach der dritten Nummer der Operngala an die Wand gesungen hatte. Ein, zwei Soloarien, und ihr Auftritt war die Sensation des Abends geworden. Dazu hatte nicht nur ihr Gesang, sondern auch ihr Äußeres beigetragen. Ihr grünes Taftkleid, das einen perfekten Kontrast zu ihrem kastanienroten Haar bildete, sorgte für einen exotischen Farbfleck auf der Bühne. Ein paar Verdi-Arien, ein paar Duette. Jetzt noch das großartige Trinklied aus La Traviata, und alle waren endgültig hingerissen.
     Gwen durchschoss ein Glücksgefühl, als der letzte Ton verklang und noch in den Schlussakkord hinein Bravo-Rufe brachen. Wie eine gigantische Meereswelle gegen einen Felsen brandet, traf der Applaus die Bühne.
     Sie atmete erschöpft durch und setzte automatisch ihr Bühnenlächeln auf, das ihr ihre Agentin Maria an einem langen Nachmittag beigebracht hatte und das sie vor dem Spiegel wochenlang hatte üben müssen. Gemeinsam mit dem Tenor verbeugte sie sich mehrmals, wandte den Kopf in die Mitte, dann auch in die Ecken des Auditoriums. Das hatte sie ebenfalls von Maria gelernt. Die Fans saßen
schließlich überall im Saal.
      »Was für ein Abend«, rief Christopher, als sie die Bühne verlassen hatten und im Seitengang standen. Ein Gefühl wie ein leichter elektrischer Schlag durchzuckte Gwen, als er sie kurz, viel zu kurz an der Schulter berührte. Ihr war klar, dass er an ihr nicht nur die Künstlerin schätzte. Schon bei der ersten Probe für diesen Abend waren sie sich nähergekommen, und der Kuss, den Christopher ihr zwei Minuten vor dem Konzert in der Garderobe gegeben hatte, hatte etwas zwischen ihnen besiegelt, was in Gwen mehr als Euphorie auslöste. Man hätte ihn als freundschaftliche Zärtlichkeit nehmen können, wie sie befreundete Kollegen vor einem schwierigen Auftritt austauschten, aber sie hatte genau gespürt, dass da noch mehr war. Christophers Brust hob und senkte sich unter dem weißen
Frackhemd. »Großartig!«, rief er. »Du warst einfach großartig.« Er rollte das »r« auf englische Art, und Gwen konnte am Gesichtsausdruck des Tenors erkennen, dass er das Lob auf sich bezog. So ein Dummkopf, dachte sie. Sie war der Star des Abends, nicht er. In Marias Büro lagen eine ganze Reihe Anfragen der größten Opernbühnen. Zwei Produktionen in Berlin und Mailand waren bereits perfekt. Noch immer rauschte der Applaus im Saal. So klingt Erfolg, dachte sie. Sie sah zu Christopher, der ihr zuzwinkerte und sich dann mit einem weißen Taschentuch
Schweiß von der Stirn wischte. Und so fühlt sich der Erfolg an.
     Gwen fragte sich, ob Christopher vielleicht schon heute Abend mit in ihre kleine Kölner Wohnung kommen würde. Oder sollte sie sich erst zu einem Drink an der Bar seines Hotels einladen lassen? Oder würde er sie irgendwohin entführen?

 

>> die erweiterte Leseprobe gibt es im .pdf-Format hier <<

 

 

Bibliographie von Oliver Buslau

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