Leseprobe: Leslies Stories
...aus der Kurzgeschichte "Ein ganz normaler Tag":
Bevor ich an diesem Morgen die Augen geöffnet hatte, vernahm ich die Stimme meines Mannes. Er hatte sich an mein Bett gesetzt und leise zu mir gesprochen: "Guten Morgen mein Schatz, aufwachen! Bist du schon bereit für die Realität?"
Mir schwante Übles. Einen Moment lang schwankte ich zwischen Traum und Wirklichkeit. Doch ich erkannte schnell, daß das hier von dieser Welt war und murrte ihn mißmutig an: "Was ist passiert?", total genervt darüber aus meinem schönen Traum gerissen zu werden. "Du hast verschlafen. Leslie muß in zehn Minuten im Kindergarten sein und ich muß ins Studio. Ach ja, der Hund hat Durchfall und hat unter den Flügel gemacht."
Ich riß meine Augen auf und dachte nur, und das morgens um sieben Uhr ohne mit dem ersten heißen, duftenden Kaffee und einer gemütlichen Zigarette dazu den Tag begrüßt zu haben.
Nachdem ich mehrmals würgend das stinkende Übel beseitigt hatte, Leslie gefrühstückt und der Hund die drei dicken Tabletten gegen Durchfall mit viel Mühe widerwillig geschluckt hatte, ging es gleich weiter mit dem Ärger. Mein Sohn weigerte sich Gummistiefel und Regenjacke anzuziehen. Gleich welchen Wetters - und es regnete in Strömen - war aber an diesem Tag ein Waldspaziergang vom Kindergarten aus geplant. Ich gab trotz langer Überredungskunst völlig
gestreßt nach und...
...später fuhr ich in die Stadt um den geplanten Familienurlaub zu buchen. Im Reisebüro saß ich der Angestellten gegenüber. Sie ließ mich mit auf den Bildschirm nach den Angeboten sehen. Einige Zeit später stürzte der Computer ab, nicht nur ihrer, sondern auch die aller anderen Angestellten. Nichts ging mehr. Man versuchte es mit Neustarts, überprüfte die Hardware, vergebens. Ich mußte mich ohne Buchung verabschieden, erhob mich vom Stuhl, nahm die Hundeleine und zog meinen Köter mit einem aus der Schnauze hängenden Rechnerkabel
unter dem Tisch hervor. "Also, ich melde mich dann später wieder...., " rief ich förmlich aus der Tür herausrennend, sicher davon ausgehend, wessen wolliges und felliges Wesen diesen Zusammenbruch verursacht hatte. Ich war nie wieder in diesem Reisebüro. Dem Himmel sei Danke gibt es ja genug davon.
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