Madeo, Francesco
zurück zum Profil
Francesco Madeo
Pressestimmen
„Literarischer Raffinesse und sprachliche Brillanz“
Westfählische Rundschau
Achtung: »Diese Hymne bricht die Normen politisch-korrekter Mainstreamliteratur. Gelebtes Leben wird da zur berauschenden Schrift, die man am besten in einer Nacht erliest. Aber Nachwirkungen am nächsten Tag sind nicht auszuschließen.«
Dr. Miriam Haller, Literaturwissenschaftlerin, Köln
Vertreibung echter und falscher Engel
Am Morgen meines zwanzigsten Geburtstages schlummerte ich mit einem Lächeln auf den Lippen, denn endlich schien es passiert zu sein.
War es wirklich geschehen? Ich träumte mit einer Intensität, die selten ist und gegen die alles Reale müde und abgeschmackt wirkt. Endlich, nach vielen Jahren des Wartens und der Erwartung wurde ich überreich beschenkt. Über mir schwebte und fiel ihr schwellender Körper leicht und schwer in elastischem Schwung. Sie hatte goldene Haare und ihre Augen waren Smaragde, dunkelgrün und leuchtend. Riesige Flügel aus geschmeidigem Glas schienen sie schweben zu lassen. Wir geigten uns gleichzeitig in den Himmel, und ich musste in Gedanken daran noch immer lächeln, da dämmerte mir etwas Unangenehmes, vielleicht sogar etwas Fürchterliches.
Mit erst kaum wahrnehmbarer, dann lauter werdender Stimme schlich sich ein ungebetener Gast in mein Bewusstsein.Wie ein leises Geräusch, von dem man im Moment der Wahrnehmung ahnt, dass es schon länger da war, trat Fäkalgeruch in meine Nase.Vatta saß auf dem Klo. Ich drehte mich um und versuchte, wieder einzuschlafen, verzweifelt bemüht, in den Traum wieder einzusteigen wie in einen fahrenden Zug, der sich langsam schneller werdend entfernt, doch es gelang nicht. Nein, es war gar nichts passiert.Wieder nichts. Der Engel zerstob in tausend kleine Lichter und war verschwunden. An seine Stelle trat eine Stimmung, die nicht mehr nur als schlechte Laune zu bezeichnen war. Ich quälte mich entsetzlich. Ich war nun zwanzig, und die über Jahre wachsende Ahnung und Angst, eine ewige männliche Jungfrau zu bleiben, hatte unerträgliches Ausmaß angenommen. Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Vor allem war mir klar, dass mit zwanzig der Punkt gekommen war, an dem alles nur noch schwerer wird.Wer dieses Alter erreicht, ohne je mit einer Frau geschlafen zu haben, der schafft es nicht mehr. Er schafft es nicht mehr, weil er immer nervöser wird, weil keine Leichtigkeit mehr in seinen Handlungen und Annäherungen ist. Sollte er dennoch wider Erwarten noch einmal eine Chance bekommen, so wird er es hundertprozentig aus Nervosität vermasseln. So etwa dachte ich und marterte mich hundert Mal mit der gleichen Frage: Warum zum Teufel habe ich es noch immer nicht geschafft?
- Artikel
- > weiterblättern

