Schilling, Barbara

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Barbara Schilling

 

Ein Paar Strümpfe, bitte.

Marco W. Linke

Bislang hatte ich eine eher leidenschaftslose Beziehung zu meinen Strümpfen. Nicht, dass ich sie nicht respektierte. Immerhin ertragen sie mich tagein tagaus und klagen dabei kein einziges Mal über Fußschweiß. Ich kenne nicht viele Leute, die dies von ihren Strümpfen sagen. Allerdings kenne ich auch nicht viele Leute, die überhaupt irgendetwas über ihre Strümpfe erzählen. Ich jedenfalls schätze meine Strümpfe neuerdings mehr denn je. Und zwar sowohl den linken, als auch den rechten Strumpf.

Und das kam so: Es war am vergangenen partnerfreien Mittwoch. Dem Tag, an dem jeder das macht, was ihm gefällt. Der Tag, an dem man alleine durch die Geschäfte bummelt, den Wagen wäscht, beim Frühstück ohne schlechtes Gewissen stundenlang die Zeitungsanzeigen liest oder alte Freunde trifft.
An jenem Mittwoch erwarb ich ein wunderschönes Paar Kniestrümpfe - und traf mich eher unfreiwillig mit einem alten Mitschüler Herold Klein. Ich hatte Herold schon seit der achten Klasse nicht mehr gesehen, und vermisste ihn im Groben und Ganzen auch nicht sonderlich. Eigentlich war ich einer der vielen Mitschüler, die es begrüßten, dass Herold die 8. Klasse wiederholen durfte - und dann kein Mitschüler mehr war. Herold war ein sehr unliebsamer Mensch. Er schwitzte ständig, er rauchte - dies auch schon damals - er verprügelte die Erstklässler und scheute keinen Kontakt zu den nicht wesentlich weiterentwickelten Unterprimaten der zwölften Klasse. Eigentlich ist damit die Geschichte Herold auch schon geschrieben.

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