Rosenkranz, Tristan

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Tristan Rosenkranz

Zeit

Ich reite die Zeit, bin besessen von ihr, lasse mich von ihrem Sog fortreißen. Im Dunkel hinter mir wirbeln Erinnerungen, Abgründe, Wunden, wundersame Lichter ebenso auf wie Sehnsüchte, vergebene, erfahrene Gefühle. Ich schaue zurück, wieder nach vorn, ahne die Sandstürme, durch die ich fliegen werde, ahne das Licht, was endlich scheinen wird.

Sie rast schnell, die Zeit, ich muß auf der Hut sein, nicht abzustürzen, vom Gegenwind erfasst zu werden, unter die Räder zu kommen. Ich muß auf der Hut sein vor all dem Geäst, den Dornen, dem Geflüster und Geschrei all der das Gleisbett umwuchernden Ideen, Mächte, Uferlosigkeiten, Verlockungen.

Nichts hat mehr Gewicht als der Lauf der Dinge, nichts heilt schneller, lässt Wunden offen verdorren, hat höhere Macht, zu formen und zu zerstören, nichts ist größeres Werkzeug des Meisters als Zeit. Mit all den in ihrem Schatten, in ihrem Licht erwachenden Suchtgefühlen, gelenkten Strömen, verbundenen und abgekoppelten Energien, durchschnittenen Verbindungen, in Schwingungen versetzten Atmosphären.


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