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Short Story: Kilimandscharo
von Roland Lange
Eine (heimliche) Liebe, ein afrikanischer Berg und eine Ampel - das sind die Zutaten zu einer Geschichte voll unerfüllter Sehnsucht...
Es war einfach ein geiles Gefühl, mit Inline-Skates durch die Fußgängerzone zu schießen! Die dort herumliefen, hauptsächlich die Erwachsenen, die Muttis mit den Kinderwagen, oder die mit den Einkaufstaschen, die termingestressten Krawattentypen und die biederen Touristenehepaare – auf jeden Fall alle, die nicht so jung und cool waren, wie sie selbst, bildeten ideale Slalomstangen. Und dazu bewegten sie sich auch noch! Man konnte nie voraussagen, welche Richtung sie nehmen würden. Ob sie stur geradeaus stapfen würden, oder einen Haken schlagen, nur weil sie im Augenwinkel etwas bei Tchibo entdeckt hatten - eine Armbanduhr vielleicht, oder eine Wetterjacke. Und alles gaaanz billig. Spießer!
Aber als Slalomstangen waren sie super! Wie schön sie sich aufregen konnten, wenn man sie schnitt wie Schumi die Kurven in Monza. Wenn man ihnen um ein Haar die Fußspitzen platt rollte! Nur, ihr ganzes Gezeter nutzte ihnen ja nichts. Man war auf Inline-Skates schon außer Hör- und Sichtweite, ehe sich die lahmen Slalomstangen um ihre eigene Achse gedreht hatten.
Sprotte war sechzehn, aber für ihr Alter ausgesprochen selbstbewusst. Und sie sah schon so verdammt erwachsen aus! Es amüsierte sie, wenn ihr die Leute, und besonders die Männer aller Altersklassen hinterher starrten. Pah, Männer! Die waren so was von blöd. Allesamt! Sie brauchte sich doch nur die Jungs in ihrer Klasse anzusehen. Was stellten die nicht alles an, nur um mit ihr mal ein Wort wechseln zu dürfen. Aber auch die Typen, die der Pubertät längst entwachsen waren, benahmen sich kaum anders. Egal, wo sie auch auftauchte, immer gab es einen Kerl, der sie anbaggerte. Meist war das einfach nur lästig, aber manchmal war es auch nützlich, denn viele von denen ließen sich schamlos ausnutzen, wenn man es nur richtig anstellte. Dass sie dabei auch mal an den Falschen geraten konnte, davor fürchtete sie sich nicht. Auch nicht davor, dass ihre Eltern sich plötzlich etwas mehr für ihr Freizeittreiben interessieren könnten. Sprotte hatte nur vor einer einzigen Sache Angst: Am Ausgang der Fußgängerzone gab es einen Zebrastreifen, der über den angrenzenden Innenstadtring führte. Eine Fußgängerampel erleichterte das Überqueren der vielbefahrenen Straße. Sprottes Furcht war, dass die Ampel auf „Rot“ stand, wenn sie die letzten, leicht abschüssigen Meter im Schlussspurt nahm, etwas gehockt, den Kopf zwischen den Schultern. Bremsen war nicht ihr Ding. Die rote Ampel war im Grunde auch kein Hindernis. Aber wenn sie so einem Heini dann eine Beule in sein Auto drückte... Ach, Quatsch, sie war Sprotte und einer Sprotte passierte sowas nicht! Bisher hatten doch auch immer alle gebremst.
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